Moritz

Moritz, born 1986, the son

Left home at the age of 17, on his first ride, a 125 cc scooter. Managed to turn his love for computers in a respected profession (programmer) and is happy to be able to work where his bike is. Tested speed driving on a Honda Hornet bike, then turned to the offroad section of the motorcycling world. Having spent a volunteer year in Laos, Asia became his second home. Besides the love for traveling he keeps an interest in all kinds of electronics for travel documentation.
Bangkok, Thailand

The traveler sees what he sees, the tourist sees what he has come to see.

 Gilbert K. Chesterton

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current distance: 8817km

Day 42 - 8708km - Iran, not what most people would expect from the media

by Moritz 16. May 2012 09:22

Nach knapp 2500km habe ich nun endlich einen ruhigen Platz mit annehmbarer Internetverbindung gefunden, um euch mal die ersten Eindruecke aus Iran zu praesentieren.

Fuer viele ist Iran ein gefaehrliches Land voller Terroristen.
Dieser Eindruck ist durch die Presse gepraegt, mit diesem Post kann ich euch hoffentlich eine andere Seite 
dieses eindrucksvollen Landes zeigen.

Nach einem etwas unschoenen Grenzuebertritt, 5 offizielle, 30 inoffizielle "Grenzbeamte" die allesamt versuchten, noch etwas Geld abzustauben, war ich mit Pedro, den ihr schon von den Cappadocia Fotos kennt, nach Norden in die Aras Area gefahren, ein Valley, das Azerbeijan und Armenien von Iran abgrenzt.
Diese Strecke war der perfekte Ausweg von der vielbefahrenen Hauptstrasse nach Tabriz.
Hier ein paar Bilder:

Aras Area, border between Azerbeijan and Iran
Nice park along the road where we were allowed to camp
at night

In diesem Park haben wir direkt die ganze Bandbreite der iranischen Gastfreundlichkeit abbekommen. 
Nachdem das Zelt aufgebaut war, habe ich mir Nudeln gekocht und mich auf eine Bank gesetzt.
10 Minuten spaeter kam ein junges Paar daher und reichte mir ein "Bier", ich erst total verdutzt, da im Iran (wo Islam noch Islam ist) wirklich striktes Verbot von Alkohol herrscht. Ein genauerer Blick auf das Etikett
offenbarte sogleich die 0% Alkohol dieses Malzgetraenks. Natuerlich gebraut von niemand anderem als Bitburger Deutschland. Wenn es um Bier geht, selbst ohne Alkohol haben die Deutschen wirklich immer ihre Finger im Spiel.
Wenig spaeter ging ich zu dem Parkshop, um mir ein weiteres dieses wirklich leckeren "Biers" zu kaufen.
Kaufen ist gut gesagt, man weigerte sich mein Geld anzunehmen, so habe ich mich mit meinem 2ten kostenlosen Bier auf eine Parkbank gesetzt, wo auch ein paar Jugendliche rumhingen, wenig spaeter brachte man uns eine Shisha und Snacks aus dem Shop, weiterhin ohne Geld dafuer zu nehmen.
Ich mag Shisha's, aber hatte in Tuerkei vergebens nach einer guten gesucht, alle waren sehr lieblos.
Die erste Shisha in Iran war dagegen Wahnsinn, statt Wasser wurde Orangensaft verwendet und der Tabak war aus Saudi-Arabien, ein Genuss! 

Diese Art der Gastfreunlichkeit hat sich bis jetzt nahezu jeden Tag wiederholt, manchmal durfte ich fuer meine Einkaeufe zahlen, manchmal nicht.

Weiter mit ein paar Bildern:

Aras Area, Iran
Aras Area, Iran
Nice camping spot by the river, with bonfire. the wood was very wet, but i managed to start a fire with a liter of benzin
Desert, just before Tabriz

Kurz nach diesem Bild hatte es stark zu regnen angefangen, welcher dann auch bald in Hagel ueberging und ein weiterfahren nicht mehr moeglich machte. So hielten wir am Strassenrand, wo uns auch gleich ein Bauer in die einzige Huette weit und breit einlud. Diese Huette war dem Wetter auch nicht wirklich gewachsen, ueberall tropfte es rein. Es stank erbaermlich nach Ziegenmist. Die Bewohner waren wohl Mutter und Sohn, die hier auf ca. 8m² lebten. In der Mitte der Huette war Essen gelegen, recht alt wirkende Brote, auf denen sowas wie Fleisch lag. Diese Menschen lebten wirklich auf niedrigstem Niveau, aber sie taten alles, um unseren kurzen Aufenthalt so angenehm wie moeglich zu machen. Eine interessante Erfahrung.

Tabriz to ChalChal

Nachdem wir eine Nacht in Tabriz waren, teilten sich unsere Wege und zu meiner Ueberraschung stellte sich die Strecke, die ich nahm, als absolutes Highlight heraus. Es ging ueber gruene, teils komplett vernebelte Berge, durch winzige Doerfer, bei denen gefuehlt alle Einwohner einen Grill auf die Strasse gestellt und dort leckere Dinge gebruzzelt haben. In einem etwas groesseren Ort hielt ich kurz um ein paar Dinge zu kaufen. Ich wollte gerade aufs Motorrad steigen, als ein Iraner mit ziemlich gutem Englisch ein paar Fragen stellte, ehe ich mich versah waren ca. 50 Menschen um mich versammelt, viele von ihnen Studentinnen, die mir im Chor die typischen Fragen stellten "What is your name", "Where are you from", "How are you".
Ich stand fast eine Stunde fuer alle Fragen, Fotos und Unterschriften (??) zur Verfuegung, ich dachte, wenn ich mit den Leuten etwas Englisch rede kann ich zumindest mal einen kleinen Beitrag leisten dafuer, dass ich die Gastfreundschaft der Iraner geniessen darf.

Zum uebernachten hatte ich dann diesen wunderbaren Spot gefunden:

Nice quiet camping spot 100km west of the caspian sea, iran

Als ich am naechsten Morgen aufwachte, fand ich mich in einer Herde von Schafen und Ziegen wieder, dachte es waere klueger dann erstmal im Zelt zu bleiben, ich bereue aber, kein Foto gemacht zu haben.

Somewhere along the Caspian Sea

Motorraeder ueber 150cc sind in Iran verboten, mit speziellen Genehmigungen kann man bis zu 250cc ausserhalb von Staedten fahren. Klar dass ich mit meinen 650cc einiges an Aufsehen errege. Besonders Motorradclubs sind immer wie besessen von meiner Maschine. Einer der Leute des Motorradclubs wollte ein bisschen angeben und holte seine R6 von irgendwoher, so entstand dann dieses fuer Iran eher untypische Bild.

 

With some friendly motorbike guys, Caspian Sea, Iran
Sisangan Park, Caspian sea, Iran

Etwas weiter traf ich dann in einem der vielen Parks, in denen man immer campen, grillen... kann, auf diese netten Menschen, die mich von Abendessen bis Fruehstuck verpflegten und immer eine gute Shisha am laufen hielten. Die Schwester der Lady rechts lebt in New Delhi, Indien, und wurde mir als erster Anlaufpunkt in Indien vermittelt. 

Am darauffolgenden Tag fuhr ich nach Semnan, wo ich von einer sehr interessanten Familie (Mutter, Tochter,Sohn) in ihr Haus eingeladen wurde. Die Kinder sprachen sehr gutes Englisch, was wirklich nicht normal ist im Iran. Sie waren sehr aufgeschlossen, gebildet und ich verbrachte 2 gute Tage mit ihnen.
Kaufte ~1kg Pistazien fuer 5 Euro und erfuhr viel ueber die interna diesen Landes und des Islam.
Und wurde natuerlich 24h mit exzellenter Hausmannskost versorgt.

Die 2 Tage sollten auch dazu dienen, mich auf die Durchquerung der Kavier Wueste vorzubereiten. Es fuehrt eine sehr gute geteerte Strasse durch die Wueste, aber es ist nach wie vor Wueste. Als Ersatz fuer Wasser empfohl man mir eine Wassermelone mitzunehmen, was ich dann auch tat (die schlepp ich immer noch mit mir rum!). Nunja, 5 Uhr morgens gestartet, um nicht dauerhaft der Hitze ausgesetzt zu sein, lief alles etwas anders als geplant. Den folgenden Text habe ich in der Nacht dieses Tages verfasst:

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Nach 40km kam ein Militaerposten und ich musste kurz anhalten, so dachte ich zumindest. Zuerst war dort nur ein freundlicher Soldat, der meinen Pass sehen wollte und mir auch direkt einen Tee anbot, nichts aussergewoehnliches. Bis dann der ranghoehere Typ kam, wild mit meinem Passport umherfuchtelte, ein paar Anrufe machte, 30 Minuten spaeter kam dann der wie ich glaube Rangnaechste und Ranguebernaechste, dieser fing dann an noch recht freundlich ein paar Fragen zu stellen, "Wo ich hin will" "Ob ich an Gott glaube" "Fussballschu"... als ich ihn dann fragte, wann ich weiterfahren koennte, sagte er das ginge nicht. Dann dachte ich "Mist muss ich die 40km wieder zurueck fahren und den 200km Umweg nehmen", aber das waere ja zu schoen gewesen, wie sich herausstellte wartete ich auf eine Eskorte die mich zur Stadt zurueckbringt. "Fahr ich halt mit Begleitung, auch okay" dachte ich, aber diese Eskorte war dazu da, um mich ins Polizeirevier zu bringen. Und dann wurde es unspassig, mir wurden handy und gps abgenommen, ich wurde von Vorgesetzten zu Vorgesetzten geschleift und musste Fragen wie "wo waren Sie letzte Nacht" "Wieso haben Sie diese Route genommen" beantworten. Als das dann beendet war (ca. 2 Stunden nachdem ich am Posten gestoppt hatte) wurde ich in ein weiteres besser abgesichertes "Revier" gebracht. Dort musste ich dann auch noch Laptop (mit passwort) und Kamera abgeben. 

 

Das darauffolgende 3 stuendige Verhoer war KEIN SPASS, ich wurde bis ins kleinste Detail ueber meine Fotos ausgequetscht, musste Namen von Personen auf den Fotos mitteilen, meine Telefonate begruenden,
meine 2 Passports erklaeren (darueber waren sie garnicht erfreut), 15 mal sagen, wieso ich diese Route gewaehlt habe immer mit der Antwort "tell us the truth". Zwischendrin waren immer wieder Drohungen wie "if we find out you lie we will treat you different" or "we will call them and check". Am Ende musste ich jeden Satz des auf 4 Seiten mit Farsi vollgekritzelten Papiers mit meinem Fingerabdruck "unterschreiben", das waren ca. 20 Fingerabdruecke. Im Anschluss wurde mein GPS und Handy in einen Safe gesperrt und ich dachte wirklich, dass ich jetzt gleich meine Zelle gezeigt bekomme, aber zum "Glueck" musste ich nur 3 Stunden auf einer Sitzbank warten, ohne irgendwelche Infos zu bekommen aber mit dem Verbot mich zu bewegen. 

@Jan, eins der ersten fotos auf der Speicherkarte war wo wir den Stuhl zerlegt haben und du mit der Axt auf dem Balkon posierst. Da hat er ganz schoen das Gesicht verzogen, aber ich konnte ihm erklaeren, dass das Deutschland ist, musste zum Glueck nur Personen aus Iran benennen, aber selbst da habe ich immer irgendwas erfunden.

Nunja, jetzt bin ich wieder frei, und wirklich froh darueber! 8 Stunden, die hoffentlich bald von der unglaublichen Gastfreundlichkeit der Iraner ueberdeckt werden.

Um besser zu verstehen wieso ich diese Route gewaehlt habe (und da waren wirklich 0 Schilder, die irgendwas militaerisches angedeutet haben) koennt ihr einen Blick auf die Karte dieses Blogs werfen. 

Genaugenommen hab ich ja nichtmal das Sperrgebiet betreten (dafuer ist so ein dummer Posten ja da), aber vor Spionageverdacht bin ich wohl leider auch nicht gefeit. Vielleicht hatte das alles auch damit zu tun, dass der Big Boss (Achma...) naechste Woche hier zu Besuch ist und dies sein Geburtsort ist.
Leider wurden alle meine GPS Tracks geloescht (von der Polizei), wenn ich es nicht schaffe, die wiederherzustellen wird die Karte fuer Iran wohl leider ziemlich leer sein. 
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Nach diesem recht unschoenen Erlebnis gings dann endlich in die Wueste Kavier...

I would not have believed that sign without that proof :), Dasht-e-Kavier, Iran
Nothing, Dasht-e-Kavier, Iran
Water reservoir, Dasht-e-Kavier, Iran
around Garmeh, Dasht-e-Kavier, Iran
around Garmeh, Dasht-e-Kavier, Iran
Nice guesthouse in Garmeh Dasht-e-Kavier, Iran
Dormitory
lonely palm, Dasht-e-Kavier, Iran
don't go in my direction! Dasht-e-Kavier, Iran

Der Weg durch die Wueste war heiss, nicht auszumalen, wie das in 1-2 Monaten hier sein wird, wenns richtig brennt.
Ich bin die meiste Zeit viel zu schnelle 130km/h gefahren, um gegen die starken Winde anzukaempfen und moeglichst schnell wieder raus zu sein.
Meine Transalp haben die Temperaturen nicht gestoert, wie auch bei Rainer, es ist nur der Mensch, der bei diesen Verhaeltnissen schlapp macht. Nunja mal abgesehen von den duzenden zerplatzten LKW Reifen und ausgebrannten Fahrzeugen am Strassenrand.
Die 130km/h haben sich deutlich auf den Benzinverbraucht ausgewirkt, der auf ca. 8! Liter pro 100km gestiegen ist.
Aber wen stoert das im Iran, der Liter Benzin kostet 35Cent. Was auch einer der Gruende ist, wieso ich meine Kosten so niedrig halten konnte :)

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Moritz | To Asia

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Rainer

Rainer, born 1948, the father

Being a professional road engineer and traffic and transport planner, Rainer keeps an eye on road details and safety issues. Paradoxically, he loves riding straight road sections more than curved ones, and horsepower of his ride doesn’t mean anything to him, but rather fuel consumption. Presently he happily rides an 11 hp scooter at home. His favourite travel destination remains Southwest USA. Low budget travel, especially for the elderly, is dear to his heart.
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