Moritz

Moritz, born 1986, the son

Left home at the age of 17, on his first ride, a 125 cc scooter. Managed to turn his love for computers in a respected profession (programmer) and is happy to be able to work where his bike is. Tested speed driving on a Honda Hornet bike, then turned to the offroad section of the motorcycling world. Having spent a volunteer year in Laos, Asia became his second home. Besides the love for traveling he keeps an interest in all kinds of electronics for travel documentation.
Bangkok, Thailand

The traveler sees what he sees, the tourist sees what he has come to see.

 Gilbert K. Chesterton

Tag cloud


current distance: 8817km

9 Green River, sterbende Stadt

by Rainer 4. June 2012 23:26

Hallo, da bin ich wieder. Heute ist der erste Regentag, meine Ente freuts und ich habe mich schon am Vormittag auf ein Camp in Susanville, CA, gerettet. Das Zelt ist dicht, ganz gemütlich. Noch gemütlicher ist es aber im Waschsalon, beheizt und Internet und Lademöglichkeit, hier kann ich jetzt mal ein bisschen was abarbeiten. Man hat mir zugetragen, dass Mathilde H., genannt Mathil, alle posts buchstabengetreu liest und auch alle Bilder von mir und Moritz anschaut. Dafür die Auszeichnung des Monats.

Jetzt folgt erstmal ein Bericht von einer typischen, weil sterbenden Stadt, von denen es hier eine Reihe gibt. Der Grund ist häufig derselbe. Weil sich neue Tankstellen und Restaurantketten unmittelbar an den beiden Zu- und Abfahrten von der Autobahn angesiedelt haben, entfällt für den Reisenden die Notwendigkeit, durch den Ort zu fahren und die dortigen Betriebe aufzusuchen. Ein paar halten noch durch, aber gut jedes zweite Grundstück ist verlassen.

Jetzt erstmal ein Bild einer Campingmaschine, die einem Truck nicht unähnlich ist. Nach Abstellen des Aufliegers fährt der Besitzer dann mit dem Vorderteil zum Abendessen. Seltsame Welt.

Jetzt gehts raus aus dem Campingplatz.

Und so sieht die Hauptstrasse aus.

Hier wurden für den Memorial Day kleine Fahrgeschäfte aufgebaut, in dem ganzen Umfeld sah das eher trostlos aus.

Noch sehr verlassen, aber das war auch am Vormittag. Interessant die verwendete Technik. Was da wohl der TÜV dazu sagen würde, bei so viel offen laufenden Teilen? Aber das war der fröhliche Teil. Jetzt gehts zu den verlassenen Betrieben.

Dieses Restaurant hatte mal alles, einschliesslich Drive-In, ohne den hier ja inzwischen kein Minibetrieb mehr auskommt. Deshalb ist es bei McDonalds immer schön leer, weil die Kunden nicht aus ihren Autos aussteigen.

Und das war mal eine Shell Tankstelle.

Und so sieht ein Motel aus, wenn es noch in Betrieb ist, paar Motorradfahrer gibts immer.

Ein Farmer aus der Umgebung hat mir erzählt, dass der Niedergang mit dem Abzug der Raketendivision vor zehn Jahren begann, aber dann durch die Tankstellenketten an den Ausfahrten verschärft wurde.

Solche Raketen wurden von hier nach Alamogordo White Sands geschossen, da bin ich ja auch schon vorbeigekommen.

Dieses Motel hat keine Gäste mehr.

Und hier war wohl mal ein Golfclub, einen Golfplatz gibts hier immer noch, wenn auch etwas vernachlässigt. Man kann sich ausmalen, wie hier die Leute vorgefahren sind, gefeiert haben und dann in die angrenzenden Motelbetten gefallen sind. Der letzte hat sogar seinen schönen Oldtimer hier vergessen, oder versoffen, wer weiss das schon. Wer genau hinschaut, entdeckt noch einen Geist hinter der office Tür.

Das war auch mal eine Tankstelle, schon sehr lange her. Die größte Sorge des Besitzers ist jedenfalls, dass hier jemand unberechtigterweise parkt, oder warum hat er alles mit Verbotsschildern vollgepfropft? Ist doch gar keiner da zum Parken. Das Gegenteil ist hier zu sehen. Bitte hier parken!!! In dem Cafe war ich auch mal, hab mich mit dem Farmer unterhalten. Aufgefallen ist mir dann noch dieses ehemalige Bankgebäude.

Hier gibts schon lange kein Geld mehr, und die Zwischennutzungen sind auch alle verschwunden.

Hier kann man sich auch schon lange nicht mehr verschönern lassen, wenn ich meine Fingernägel so anschaue, hätte ich es nötig. Wenn der Laden noch offen gewesen wäre, hätte ich mir ganz bestimmt die Fingernägel verschönern lassen.

Und hier hätte ich ganz bestimmt ein Bier getrunken, wenn ich in diese doch recht kleine Bar gepasst hätte. Frustriert habe ich dann eine von aussen ganz passabel aussehende Kneipe zum Frühstück aufgesucht, die offensichtlich von locals besucht wird, und habe das zu Essen gekriegt. Hat so geschmeckt, wie es aussieht, und teuer war es auch noch. keine Empfehlung.

Zum Schluss noch aus dem Land der Verbote und Verhaltensempfehlungen ein Schild, das neuerdings in Utah Gültigkeit hat.

Das ganze heisst sinngemäß, dass man nur dann ein alkoholisches Getränk in einem Restaurant erhält, wenn man auch ein Essen dazubestellt. Anderen Orts hat man sich damit beholfen, dass Nachos (Chips) mit Sauce einen Ehrenplatz in der Speisekarte bekommen haben.

Das war jetzt alles eher deprimierend, kann aber einen gewissen morbiden Charme nicht verleugnen. Ich werde weiter die Augen offen halten. Zum Schluss meiner Besichtigung habe ich dann noch ein kleines Cafe gefunden, das mir den Kaffee für 70 Cent gleich 55 Eurocent verkauft hat. Ausserdem konnte man da draussen sitzen und dem Treiben auf der Strasse (gut, ein bisschen spannungsarm) zuschauen.

In meinem nächsten post gehts wieder auf die Strasse, mit Begeisterung. Bis dann.

Tags:

Rainer | USA 2012

blog comments powered by Disqus

Rainer

Rainer, born 1948, the father

Being a professional road engineer and traffic and transport planner, Rainer keeps an eye on road details and safety issues. Paradoxically, he loves riding straight road sections more than curved ones, and horsepower of his ride doesn’t mean anything to him, but rather fuel consumption. Presently he happily rides an 11 hp scooter at home. His favourite travel destination remains Southwest USA. Low budget travel, especially for the elderly, is dear to his heart.
Petershausen, Germany

Done with indoor complaints,
libraries and querulous criticisms,
strong and content
I travel the open road.

 Walt Whitman