Moritz

Moritz, born 1986, the son

Left home at the age of 17, on his first ride, a 125 cc scooter. Managed to turn his love for computers in a respected profession (programmer) and is happy to be able to work where his bike is. Tested speed driving on a Honda Hornet bike, then turned to the offroad section of the motorcycling world. Having spent a volunteer year in Laos, Asia became his second home. Besides the love for traveling he keeps an interest in all kinds of electronics for travel documentation.
Bangkok, Thailand

The traveler sees what he sees, the tourist sees what he has come to see.

 Gilbert K. Chesterton

Tag cloud


current distance: 8817km

Day 71 - 13900 km - Peaceful days in Pakistan

by Moritz 15. June 2012 18:38

 

Wie versprochen, gibt es diesmal etwas mehr Bilder, weniger Text.

Nach ein paar heissen Tagen in Lahore bin ich weiter in die Hauptstadt Pakistans gefahren, Islamabad.
Die 42°, die es hier tagsueber hat, waren schon etwas ertraeglicher als die 48° in Lahore. 
Aber schon nach einer Nacht gings endlich los Richtung Karakorum Highway.
Der Karakorum Highway (kurz: KKH) ist die hoechstgelegene Fernstrasse der Welt, er fuehrt an mehreren Achttausendern vorbei und ist eine wichtige Handelsroute zwischen China und Pakistan.

In der Travelercommunity ist er fuer seine einzigartigen Landschaften bekannt, und allzuoft hoert man auch "Die schoenste Landschaft, die ich je gesehen habe" von anderen Reisenden.

Eigentlich stand der KKH erst nach Indien/Nepal auf meiner Liste, aber ich hatte die letzten Tage/Wochen oft meine komplette Route uebern den Haufen geworfen... ...mehr dazu spaeter, jetzt erstmal ein paar Bilder:

Eins noch vorweg, von den knapp 2000KM die ich in der KKH Region fahren wollte, hab ich bereits nach 200km kapituliert, daher sind die folgenden Bilder nur eine Vorschau auf das was in ein paar Wochen kommt:

...los gings auf perfektem Asphalt und Kurven Kurven Kurven...

KKH, Pakistan

...vorbei an Adlern...

Aus To Asia

...Affen, vielen vielen Affen!...

Aus To Asia

...Massentransportmitteln...

Aus To Asia

...und Abbottabad. Na, klingelts da bei irgendwem? Vermutlich nicht, Abbottabad ist die Stadt, in der der US Staatsfeind Nr.1, Osama Bin Laden sein Versteck hatte. Und wie der Zufall so will, der einzige Waypoint, den mein Kartenmaterial in dieser Stadt anzubieten hatte, hiess "Osama Bin Ladens Hideout Compound". Ich konnte nicht wiederstehen dort mal vorbeizuschauen, muss aber gestehen, dass ich das Haus nicht gefunden habe, die Strassen wurden zu schlammigen Wegen, mit vielen DeadEnds, wie ein Labyrinth. Und die Leute hatten mich auch etwas fragwuerdig angeschaut (das tun sie immer, aber angesichts der Gegend empfand ich das als eher bedrohlich). 

...weiter nach Manshera, wo ich ein spezielles Oel gefunden habe, welches mein Motorrad gerne hat.
Meine Kupplung wird durch das selbe Oel geschmiert wie der Motor, deshalb ist das etwas spezieller.
Und wie mir vom Pakistani Bikersclub erklaert wurde, sollte man bei diesen Temperaturen alle 5000km einen Oelwechsel machen. Hat also gut gepasst, nur wechsel ich nie den Oelfilter, weil es hier keine passenden gibt, bzw. nur grottigste Qualitaet. Hoffentlich macht sich das nicht negativ bemerkbar...

Oilchange in Manshera, Pakistan

...weg von der Hauptstadt bekam ich wieder die gewohnte Aufmerksamkeit...

Aus To Asia

...netter Platz um einen Tee zu geniessen und meine Schuhe zu waschen :)...

Aus To Asia

...so sah das jedes Mal aus, wenn ich irgendwo angehalten habe, das Leben eines Promis...

Aus To Asia

Verschiedenste Hindernisse gilt es zu umfahren/bewaeltigen
...Tiere... 

Aus To Asia

...Fluesse/Seen/Schmelzwasserstroeme...

Aus To Asia

 

Aus To Asia

Im Winter werden hier einige Ortschaften komplett evakuiert, ich hab so eine Ahnung wieso...

Aus To Asia

...Erdrutsche...

Aus To Asia

Ueberall wird Honig "gesammelt"

Aus To Asia

Dieser nette Herr nahm sogar seinen Imkerhut fuer das Foto ab...

Aus To Asia

Ich schreibe ja oft von der Freundlichkeit der Leute hier, aber diesmal hat es etwas extreme Formen angenommen.
Dinge die mir Leute geschenkt/spendiert haben:
- Simkarte
- 3Liter Benzin (gab einen Benzinstreik, war irre schwer an Benzin zu kommen) 
- jedes Essen! Teilweise hat mich eine Person eingeladen, und eine dritte gezahlt. Mit der Begruendung "Ein Freund meines Freundes ist auch mein Freund"
- Tee

Als ich mal am Strassenrand im Nirgendwo gehalten habe um meine Thermounterwaesche auszuziehen (es hatte teilweise um die 0 Grad) stoppte eine Gruppe Jugendlicher, die mir dann etwas Geld in die Hand gedrueckt haben, weil es dort keine Moeglichkeit gab, mich auf irgendetwas einzuladen. Ich habe natuerlich versucht abzulehnen, vergeblich...

 

Hier mal ein kleines Video ontheroad, welches mir nicht gut gelungen ist da es zu weit nach unten zeigt, aber...:

 

So und nun sollte eigentlich ein Foto zu sehen sein wie mein Motorrad (wieder mal) flach am Boden liegt.
Aber ich habs noch nicht raus, nach einem Sturz zuerst ein Foto zu machen.
Auf jeden Fall habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass ich mit meinem vollbeladenen Motorrad nicht auf Schnee fahren sollte. Unbegreiflicherweise habe ich es diesmal geschafft, beide Spiegel zu zerstoeren. Beim linken ist das Metall gebrochen und beim rechten das Glas. 
Zurueck an dem Ort, an dem ich an diesem Tag gestartet war, traf ich den ersten Touristen seit langem.
Ein Englaender, der hier einen pakistanischen Freund besucht hat, Sie wollten gerade mit einem Jeep zum LaLusar See aufbrechen, welcher auch mein Ziel gewesen waere. Also sprang ich kurzerhand mit auf, die folgenden Fotos sind also mal ohne Motorrad im Vordergrund :)

Delicious food along the road from Naran to Lalusar Lake, Pakistan
Lalusar Lake
Lalusar Lake, Pakistan

Auf dem Rueckweg waren wir noch erfolglos Angeln, der Spot war aber genial... 

Aus To Asia

 

Nun bin ich schon seit ein paar Tagen zurueck in Islamabad, um ein paar Dinge zu erledigen, Visas/Maintenance und ich habe es auch endlich geschafft, meinen Bart kuerzen zu lassen. 
Hier ein vorher/nachher Bild: 

Aus To Asia
Aus To Asia

 

Aus diversen (vorallem logistischen) Gruenden habe ich mich entschieden Indien/Nepal auf dieser Tour auszulassen, deshalb steht als naechstes der 2te Versuch KKH an, diesmal mit dem Ziel ueber China nach Kyrgyzstan zu reisen. Ich bin gerade extrem schreibfaul, befuerchte das hat fuer euch keinen wirklichen Zusammenhang. Auf jeden Fall werde ich noch ca. 1 Woche in Islamabad bleiben und dann wieder Richtung KKH starten. so long... 

34.9073, 73.650

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Day 63 - 13100 km - Second chance for Pakistan

by Moritz 6. June 2012 10:33

...da bin ich wieder. 
Der letzte Post ist ja schon eine Weile her, das liegt vor allem daran, dass die letzten Wochen nicht so ganz ohne waren.

Zurueck zum Iran, dort habe ich noch ein paar Tage das Land genossen, ohne weitere Probleme mit der Polizei. Nur nochmal kurz zur Klarstellung, nach dem ersten unschoenen Erlebnis, ueber welches ich ja gebloggt habe, bin ich nach Yazd, was am suedlichen Ende der Wueste liegt. Dort hat mich am 2ten Tag die Tourism Police besucht und wieder all meine Sachen beschlagnahmt, mit der Begruendung, ich waere durch die Wuste gefahren und es ist nicht erlaubt dort Bilder zu machen. Die 2 Polizisten waren freundlich, aber es hat mich natuerlich ziemlich genervt, besonders weil ich nicht wusste was das diesmal wird. Aber gut, am naechsten Tag konnte ich meine Sachen wieder abholen und man hat sich bei mir entschuldigt. Sie haben behauptet 5 Bilder geloescht zu haben, vermisse aber keine? Dummerweise wurden alle meine Speichermedien, SD-Karten, USB-Sticks mit fiesen Viren verseucht, sicher nicht mit Absicht, die haben nur ihre Computer nicht im Griff...
Ich hatte meinen Blogpost ueber die Wueste gerade gepostet als sie kamen, daher hielt ich es fuers beste ihn erstmal wieder offline zu nehmen. Lesen, falls ihr nicht wisst worum es hier geht :)

Ab Shiraz war ich sehr mit Vorbereitungen fuer die Strecke durch Baluchistan beschaeftigt. Sie gilt als die haerteste auf dem Landweg nach Indien. Zudem als die gefaehrlichste, da es in Baluchistan mind. 4 laufende Konflikte gibt zwischen verschiedenen Gruppen, Shiiten/Sunniten Government/Seperatisten Taliban/Rest... (schwierig das alles zu verstehen wer dort wen umbringt)  
Ab Bam, wo ich die letzte Nacht in Iran verbrachte, ging es 700km nach Dalbandin, Pakistan. Eigentlich haette ich auf dem groessten Teil dieser Strecke eskortiert werden sollen, die einzigen Eskorten, die ich hatte, waren aber die letzten 10km vor und die ersten 10km nach der Grenze. Allerdings wurde ich an jedem Checkpoint gefrag,t wo mein Guard sei, nach einem Schulterzucken meinerseits gings aber dann immer weiter. Bis hier war alles okay, der Grenzuebertritt war easy, da meine Eskorte alles fuer mich erledigt hat.
In Dalbandin habe ich dann auch mein erstes Bier nach Wochen getrunken. Es ist hier zwar auch nicht das legalste, aber lange nicht so schlimm wie in Iran. Und die Tatsache, dass es mir von der Polizei gereicht wurde, hat die Sache auch etwas entschaerft :)
Noch viel legaler als Bier ist hier Hashisch, diese Jungs habe ich 6 Uhr morgens auf dem Parkplatz meines Hotels gesehen: 

Dalbandin, Baluchistan Province, Pakistan

Ab Dalbandin gings dann mit Eskorte weiter, das muss man sich so vorstellen, dass ein SUV/Auto/Motorrad/sonstiges Fahrzeug mit 1-5 schwer bewaffneten Polizisten und Geschwindigkeiten zwischen 30 und 120km vor oder nach einem herfaehrt. alle paar Kilometer aendert sich die Zustaendigkeit und somit bekommt man auch laufend neue Eskorten, manchmal im fliegenden Wechsel, manchmal muss man einige Zeit an Checkpoints warten. Obwohl alle Polizisten ueberaus freundlich waren, ist es eine sehr nervige Geschichte. Man muss fuer Strecken locker die doppelte Zeit einplanen.

Eskort somewhere in Baluchistan Region, Pakistan

Das Ziel war an diesem Tag Quetta, die Hauptstadt von Baluchistan. Zur Info an Motorradfahrer, die Strecke von Dalbandin nach Quetta ist schlecht, uebersaet von Schlagloechern, Sandduenen auf der Fahrbahn und vorallem unsichtbaren Speedbreakern (Wer mal einen mit 80km/h genommen hat weiss was ich meine). Kurz vor Quetta musste ich laenger an einem Polizeicheckpoint verbringen, da es gerade eine Schiesserei auf dem Weg in die Stadt gegeben hatte. Nachdem 2 Panzerwaegen mit geschaetzten 10Mann an Bord angekommen waren, konnte ich zusammen mit einem Reisebus voller Iraner eskortiert weiterfahren. Am Hotel Bloomstar angekommen, traf ich zu meiner Ueberraschung einen deutschen Touristen (hatte schon sehr lange keine mehr gesehen), der sich laengst haette melden sollen (Heiner??). Nach einer wohltuenden Dusche wollten wir uns ein Restaurant zum Abendessen suchen. Aber schon nach ein paar Metern ausserhalb des Hotels wurde es auffaellig laut, Sirenen, ueberall. Einen Moment spaeter fuhren ploetzlich jede Menge Krankenwagen/Polizeiautos/Sonstiges mit blutueberstroemten Leuten auf der Ladeflaeche vorbei. Zuerst dachte ich nur "huch, das muss aber ein grosser Unfall gewesen sein", aber wie wir sogleich von herumstehenden Leuten aufgeklaert wurden gab es wohl einen "Blast" 500m weiter. Das kannte ich bisher nur aus Berichterstattungen und hat mir etwas klarer gemacht das dies ein etwas anderer Fleck auf Erden ist. Fuer die Leute in Quetta ist das Alltag, alle paar Wochen gibt es Anschlaege, wer dabei wen vernichten will, konnte ich aber bis heute nicht sicher rausfinden. Viele behaupten es ginge um Destabilisierung mit dem Ziel, die pakistanische Regierung unter Druck zu setzen. Am naechsten Tag konnte ich dann in der Zeitung lesen was wirklich passiert war, Unbekannte haben 2 Raketen in die Stadt gefeuert. Abschussort unbekannt. 
Ausgenommen die Sicherheitssituation hat mir Quetta gut gefallen, alles ist sehr sehr schmutzig, lebendig, busy, so wie ich es aus Bangkok kenne und liebe. Ich musste, damit ich weiter durch Baluchistan fahren darf, ein sogenanntes NOC beantragen, welches nur an Wochentagen ging, daher habe ich ganze 4 Tage dort verbracht.

...jetzt ist es wieder an der Zeit etwas Detail zu ignorieren, sonst koennte ich hier noch Stunden tippen.
Die 5 Tage nach Quetta waren fuer mich der absolute Albtraum, da ich am ersten dieser Tage gezwungen wurde 13 Stunden zu fahren, bei teilweise ueber 50 Grad. Obwohl ich 3 Liter Wasser mit mir hatte (welches ich teilweise nicht mehr trinken konnte, da es so heiss war das ich mir die Zunge verbrannt haette) musste ich ab und an auf das Wasser aus staubigen Tonkruegen in den Checkpoints zurueckgreifen. Ende der Geschichte ist, dass ich dehydriert und mit explosivem Durchfall weitere 5 Tage bis nach Lahore gefahren bin, bei weiterhin ueber 50Grad. Teilweise war es so heiss, dass sogar meine Transalp versagt hat (im Stau auf der Suche nach einem Hotel). 
Ich merke gerade das es keine gute Idee ist 17 aktionsreiche Tage in einem Blog zusammenzufassen, also hier mal zur Abwechslung ein paar Bilder:


Nicely painted Trucks in Pakistan

 

Sufi Night, Lahore, Pakistan

 

Like in Germany, just a bit different

 

One of the only non-real guns around, Lahore, Pakistan

 

Kids of Pakistan

 

Biggest Mosq in Lahore, Pakistan


Die letzten 4 Tage habe ich in Lahore nahe der indischen Grenze verbracht, tagsueber 47 Grad im Schatten, keine Aircon, 50% der Zeit kein Strom, konnte es nicht geniessen und meine Magenprobleme bin ich auch noch nicht ganz losgeworden.

An dieser Stelle sollte ich mal erwaehnen dass meine urspruenglich geplante Route,
naemlich Pakistan -> Indien -> Nepal -> Indien -> Pakistan -> KKH -> CHINA -> ... -> Mongolei -> Japan -> Malaysia nicht mehr hinhaut, da ich zu lange mit dem China Papierkram gewartet habe und ich mir sehr unsicher bin ueber das 2te Pakistan Visa, das ich braeuchte. Somit brauche ich jetzt einen neuen Plan, momentan denke ich ueber Luftfracht in Kathmandu nach, entweder direkt nach Suedostasien oder aber nach Russland hoch, um doch noch Mongolei machen zu koennen.

Aber jetzt bin ich erstmal fuer 1-x Wochen in den noerdlichen Regionen Pakistans, um den KKH, unterwegs. Fuer viele die unglaublichsten Landschaften, die sie je gesehen haben. Pakistan, das ist deine Chance mir deine schoenen Seiten zu zeigen! Morgen gehts vermutlich los, werde wohl eher selten Internet in diesen Regionen finden. Aber beim naechsten Post habe ich dann hoffentlich weniger zu erzaehlen und mehr Fotos! 

Moritz aus Islamabad, Ende!

30.206, 67.015

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Day 46 - 9120km - Magical Persia

by Moritz 20. May 2012 06:20

 

...nach weiteren Problemen mit der Polizei und dadurch etwas geknickter Laune bin ich jetzt wieder mal an einem einzigartigen Ort gelandet und erfreue mich an all den Dingen hier. Esfahan, Iran. 
Die alte Hauptstadt Irans. Welche Vorstellungen man auch immer von Persien hat, fuer mich hat Esfahan all das, was ich mir von Persien ertraeumt hatte...

imam square - 1602, Esfahan, Iran
imam square - 1602, Esfahan, Iran

Freitag (Wochenende in Iran) ist es hier immer recht voll, alle sind mit ihren Familien da

Khaju Bridge - 1650, Esfahan, Iran
 
After such a long time some restaurations are neccessary I guess, Esfahan, Iran
3500$ pure silk carpet, Esfahan, Iran

Die Geschichte hinter diesem Teppich: Er wird in Iran fuer knapp 3500$ verkauft, in Deutschland (wohin viele dieser Teppiche gehen im Normalfall zum 3fachen Preis).
Er besteht aus reiner Seide und hat eine Person 2 Jahre, bei 6 Arbeitsstunden pro Tag, gekostet. 

 

imam square - 1602, Esfahan, Iran
imam square - 1602, Esfahan, Iran
imam square - 1602, Esfahan, Iran
imam square - 1602, Esfahan, Iran

Esfahan ist auch fuer seine Teehaeuser bekannt, in denen meist Shisha geraucht wird. In einer der vielen Seitenstrassen des imam Squares habe ich diesen Eingang zu einem leeren Hof gefunden...

Esfahan, Iran

...welcher mich dann bei genauer Betrachtung zum unglaublichsten Teehouse, das ich jemals gesehen habe, fuehrte:

Esfahan, Iran
Esfahan, Iran

Die Anzahl an Gegenstaenden in diesem Teehaus ist nicht mehr zu zaehlen, ich habe nach einer Stunde umhersehen immer noch neue interessante Dinge gefunden. Nichts wirkt hier fehl am Platz, sind die Farben noch so grell, der Gegenstand so ungewoehnlich... Das liegt vor allem daran, dass durch den Rauch alles mit einem goldgelben Film ueberzogen ist. Wahnsinn!
Ich koennte stundenlang nur ueber dieses Teehaus reden, aber ich muss schauen, dass ich auf die Strasse komme, heute gehts weiter in eine Gebirgsregion, freu mich auf etwas kuehlere Temperaturen.

32.642, 51.678

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Day 42 - 8708km - Iran, not what most people would expect from the media

by Moritz 16. May 2012 09:22

Nach knapp 2500km habe ich nun endlich einen ruhigen Platz mit annehmbarer Internetverbindung gefunden, um euch mal die ersten Eindruecke aus Iran zu praesentieren.

Fuer viele ist Iran ein gefaehrliches Land voller Terroristen.
Dieser Eindruck ist durch die Presse gepraegt, mit diesem Post kann ich euch hoffentlich eine andere Seite 
dieses eindrucksvollen Landes zeigen.

Nach einem etwas unschoenen Grenzuebertritt, 5 offizielle, 30 inoffizielle "Grenzbeamte" die allesamt versuchten, noch etwas Geld abzustauben, war ich mit Pedro, den ihr schon von den Cappadocia Fotos kennt, nach Norden in die Aras Area gefahren, ein Valley, das Azerbeijan und Armenien von Iran abgrenzt.
Diese Strecke war der perfekte Ausweg von der vielbefahrenen Hauptstrasse nach Tabriz.
Hier ein paar Bilder:

Aras Area, border between Azerbeijan and Iran
Nice park along the road where we were allowed to camp
at night

In diesem Park haben wir direkt die ganze Bandbreite der iranischen Gastfreundlichkeit abbekommen. 
Nachdem das Zelt aufgebaut war, habe ich mir Nudeln gekocht und mich auf eine Bank gesetzt.
10 Minuten spaeter kam ein junges Paar daher und reichte mir ein "Bier", ich erst total verdutzt, da im Iran (wo Islam noch Islam ist) wirklich striktes Verbot von Alkohol herrscht. Ein genauerer Blick auf das Etikett
offenbarte sogleich die 0% Alkohol dieses Malzgetraenks. Natuerlich gebraut von niemand anderem als Bitburger Deutschland. Wenn es um Bier geht, selbst ohne Alkohol haben die Deutschen wirklich immer ihre Finger im Spiel.
Wenig spaeter ging ich zu dem Parkshop, um mir ein weiteres dieses wirklich leckeren "Biers" zu kaufen.
Kaufen ist gut gesagt, man weigerte sich mein Geld anzunehmen, so habe ich mich mit meinem 2ten kostenlosen Bier auf eine Parkbank gesetzt, wo auch ein paar Jugendliche rumhingen, wenig spaeter brachte man uns eine Shisha und Snacks aus dem Shop, weiterhin ohne Geld dafuer zu nehmen.
Ich mag Shisha's, aber hatte in Tuerkei vergebens nach einer guten gesucht, alle waren sehr lieblos.
Die erste Shisha in Iran war dagegen Wahnsinn, statt Wasser wurde Orangensaft verwendet und der Tabak war aus Saudi-Arabien, ein Genuss! 

Diese Art der Gastfreunlichkeit hat sich bis jetzt nahezu jeden Tag wiederholt, manchmal durfte ich fuer meine Einkaeufe zahlen, manchmal nicht.

Weiter mit ein paar Bildern:

Aras Area, Iran
Aras Area, Iran
Nice camping spot by the river, with bonfire. the wood was very wet, but i managed to start a fire with a liter of benzin
Desert, just before Tabriz

Kurz nach diesem Bild hatte es stark zu regnen angefangen, welcher dann auch bald in Hagel ueberging und ein weiterfahren nicht mehr moeglich machte. So hielten wir am Strassenrand, wo uns auch gleich ein Bauer in die einzige Huette weit und breit einlud. Diese Huette war dem Wetter auch nicht wirklich gewachsen, ueberall tropfte es rein. Es stank erbaermlich nach Ziegenmist. Die Bewohner waren wohl Mutter und Sohn, die hier auf ca. 8m² lebten. In der Mitte der Huette war Essen gelegen, recht alt wirkende Brote, auf denen sowas wie Fleisch lag. Diese Menschen lebten wirklich auf niedrigstem Niveau, aber sie taten alles, um unseren kurzen Aufenthalt so angenehm wie moeglich zu machen. Eine interessante Erfahrung.

Tabriz to ChalChal

Nachdem wir eine Nacht in Tabriz waren, teilten sich unsere Wege und zu meiner Ueberraschung stellte sich die Strecke, die ich nahm, als absolutes Highlight heraus. Es ging ueber gruene, teils komplett vernebelte Berge, durch winzige Doerfer, bei denen gefuehlt alle Einwohner einen Grill auf die Strasse gestellt und dort leckere Dinge gebruzzelt haben. In einem etwas groesseren Ort hielt ich kurz um ein paar Dinge zu kaufen. Ich wollte gerade aufs Motorrad steigen, als ein Iraner mit ziemlich gutem Englisch ein paar Fragen stellte, ehe ich mich versah waren ca. 50 Menschen um mich versammelt, viele von ihnen Studentinnen, die mir im Chor die typischen Fragen stellten "What is your name", "Where are you from", "How are you".
Ich stand fast eine Stunde fuer alle Fragen, Fotos und Unterschriften (??) zur Verfuegung, ich dachte, wenn ich mit den Leuten etwas Englisch rede kann ich zumindest mal einen kleinen Beitrag leisten dafuer, dass ich die Gastfreundschaft der Iraner geniessen darf.

Zum uebernachten hatte ich dann diesen wunderbaren Spot gefunden:

Nice quiet camping spot 100km west of the caspian sea, iran

Als ich am naechsten Morgen aufwachte, fand ich mich in einer Herde von Schafen und Ziegen wieder, dachte es waere klueger dann erstmal im Zelt zu bleiben, ich bereue aber, kein Foto gemacht zu haben.

Somewhere along the Caspian Sea

Motorraeder ueber 150cc sind in Iran verboten, mit speziellen Genehmigungen kann man bis zu 250cc ausserhalb von Staedten fahren. Klar dass ich mit meinen 650cc einiges an Aufsehen errege. Besonders Motorradclubs sind immer wie besessen von meiner Maschine. Einer der Leute des Motorradclubs wollte ein bisschen angeben und holte seine R6 von irgendwoher, so entstand dann dieses fuer Iran eher untypische Bild.

 

With some friendly motorbike guys, Caspian Sea, Iran
Sisangan Park, Caspian sea, Iran

Etwas weiter traf ich dann in einem der vielen Parks, in denen man immer campen, grillen... kann, auf diese netten Menschen, die mich von Abendessen bis Fruehstuck verpflegten und immer eine gute Shisha am laufen hielten. Die Schwester der Lady rechts lebt in New Delhi, Indien, und wurde mir als erster Anlaufpunkt in Indien vermittelt. 

Am darauffolgenden Tag fuhr ich nach Semnan, wo ich von einer sehr interessanten Familie (Mutter, Tochter,Sohn) in ihr Haus eingeladen wurde. Die Kinder sprachen sehr gutes Englisch, was wirklich nicht normal ist im Iran. Sie waren sehr aufgeschlossen, gebildet und ich verbrachte 2 gute Tage mit ihnen.
Kaufte ~1kg Pistazien fuer 5 Euro und erfuhr viel ueber die interna diesen Landes und des Islam.
Und wurde natuerlich 24h mit exzellenter Hausmannskost versorgt.

Die 2 Tage sollten auch dazu dienen, mich auf die Durchquerung der Kavier Wueste vorzubereiten. Es fuehrt eine sehr gute geteerte Strasse durch die Wueste, aber es ist nach wie vor Wueste. Als Ersatz fuer Wasser empfohl man mir eine Wassermelone mitzunehmen, was ich dann auch tat (die schlepp ich immer noch mit mir rum!). Nunja, 5 Uhr morgens gestartet, um nicht dauerhaft der Hitze ausgesetzt zu sein, lief alles etwas anders als geplant. Den folgenden Text habe ich in der Nacht dieses Tages verfasst:

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Nach 40km kam ein Militaerposten und ich musste kurz anhalten, so dachte ich zumindest. Zuerst war dort nur ein freundlicher Soldat, der meinen Pass sehen wollte und mir auch direkt einen Tee anbot, nichts aussergewoehnliches. Bis dann der ranghoehere Typ kam, wild mit meinem Passport umherfuchtelte, ein paar Anrufe machte, 30 Minuten spaeter kam dann der wie ich glaube Rangnaechste und Ranguebernaechste, dieser fing dann an noch recht freundlich ein paar Fragen zu stellen, "Wo ich hin will" "Ob ich an Gott glaube" "Fussballschu"... als ich ihn dann fragte, wann ich weiterfahren koennte, sagte er das ginge nicht. Dann dachte ich "Mist muss ich die 40km wieder zurueck fahren und den 200km Umweg nehmen", aber das waere ja zu schoen gewesen, wie sich herausstellte wartete ich auf eine Eskorte die mich zur Stadt zurueckbringt. "Fahr ich halt mit Begleitung, auch okay" dachte ich, aber diese Eskorte war dazu da, um mich ins Polizeirevier zu bringen. Und dann wurde es unspassig, mir wurden handy und gps abgenommen, ich wurde von Vorgesetzten zu Vorgesetzten geschleift und musste Fragen wie "wo waren Sie letzte Nacht" "Wieso haben Sie diese Route genommen" beantworten. Als das dann beendet war (ca. 2 Stunden nachdem ich am Posten gestoppt hatte) wurde ich in ein weiteres besser abgesichertes "Revier" gebracht. Dort musste ich dann auch noch Laptop (mit passwort) und Kamera abgeben. 

 

Das darauffolgende 3 stuendige Verhoer war KEIN SPASS, ich wurde bis ins kleinste Detail ueber meine Fotos ausgequetscht, musste Namen von Personen auf den Fotos mitteilen, meine Telefonate begruenden,
meine 2 Passports erklaeren (darueber waren sie garnicht erfreut), 15 mal sagen, wieso ich diese Route gewaehlt habe immer mit der Antwort "tell us the truth". Zwischendrin waren immer wieder Drohungen wie "if we find out you lie we will treat you different" or "we will call them and check". Am Ende musste ich jeden Satz des auf 4 Seiten mit Farsi vollgekritzelten Papiers mit meinem Fingerabdruck "unterschreiben", das waren ca. 20 Fingerabdruecke. Im Anschluss wurde mein GPS und Handy in einen Safe gesperrt und ich dachte wirklich, dass ich jetzt gleich meine Zelle gezeigt bekomme, aber zum "Glueck" musste ich nur 3 Stunden auf einer Sitzbank warten, ohne irgendwelche Infos zu bekommen aber mit dem Verbot mich zu bewegen. 

@Jan, eins der ersten fotos auf der Speicherkarte war wo wir den Stuhl zerlegt haben und du mit der Axt auf dem Balkon posierst. Da hat er ganz schoen das Gesicht verzogen, aber ich konnte ihm erklaeren, dass das Deutschland ist, musste zum Glueck nur Personen aus Iran benennen, aber selbst da habe ich immer irgendwas erfunden.

Nunja, jetzt bin ich wieder frei, und wirklich froh darueber! 8 Stunden, die hoffentlich bald von der unglaublichen Gastfreundlichkeit der Iraner ueberdeckt werden.

Um besser zu verstehen wieso ich diese Route gewaehlt habe (und da waren wirklich 0 Schilder, die irgendwas militaerisches angedeutet haben) koennt ihr einen Blick auf die Karte dieses Blogs werfen. 

Genaugenommen hab ich ja nichtmal das Sperrgebiet betreten (dafuer ist so ein dummer Posten ja da), aber vor Spionageverdacht bin ich wohl leider auch nicht gefeit. Vielleicht hatte das alles auch damit zu tun, dass der Big Boss (Achma...) naechste Woche hier zu Besuch ist und dies sein Geburtsort ist.
Leider wurden alle meine GPS Tracks geloescht (von der Polizei), wenn ich es nicht schaffe, die wiederherzustellen wird die Karte fuer Iran wohl leider ziemlich leer sein. 
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Nach diesem recht unschoenen Erlebnis gings dann endlich in die Wueste Kavier...

I would not have believed that sign without that proof :), Dasht-e-Kavier, Iran
Nothing, Dasht-e-Kavier, Iran
Water reservoir, Dasht-e-Kavier, Iran
around Garmeh, Dasht-e-Kavier, Iran
around Garmeh, Dasht-e-Kavier, Iran
Nice guesthouse in Garmeh Dasht-e-Kavier, Iran
Dormitory
lonely palm, Dasht-e-Kavier, Iran
don't go in my direction! Dasht-e-Kavier, Iran

Der Weg durch die Wueste war heiss, nicht auszumalen, wie das in 1-2 Monaten hier sein wird, wenns richtig brennt.
Ich bin die meiste Zeit viel zu schnelle 130km/h gefahren, um gegen die starken Winde anzukaempfen und moeglichst schnell wieder raus zu sein.
Meine Transalp haben die Temperaturen nicht gestoert, wie auch bei Rainer, es ist nur der Mensch, der bei diesen Verhaeltnissen schlapp macht. Nunja mal abgesehen von den duzenden zerplatzten LKW Reifen und ausgebrannten Fahrzeugen am Strassenrand.
Die 130km/h haben sich deutlich auf den Benzinverbraucht ausgewirkt, der auf ca. 8! Liter pro 100km gestiegen ist.
Aber wen stoert das im Iran, der Liter Benzin kostet 35Cent. Was auch einer der Gruende ist, wieso ich meine Kosten so niedrig halten konnte :)

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Rainer

Rainer, born 1948, the father

Being a professional road engineer and traffic and transport planner, Rainer keeps an eye on road details and safety issues. Paradoxically, he loves riding straight road sections more than curved ones, and horsepower of his ride doesn’t mean anything to him, but rather fuel consumption. Presently he happily rides an 11 hp scooter at home. His favourite travel destination remains Southwest USA. Low budget travel, especially for the elderly, is dear to his heart.
Petershausen, Germany

Done with indoor complaints,
libraries and querulous criticisms,
strong and content
I travel the open road.

 Walt Whitman