Moritz

Moritz, born 1986, the son

Left home at the age of 17, on his first ride, a 125 cc scooter. Managed to turn his love for computers in a respected profession (programmer) and is happy to be able to work where his bike is. Tested speed driving on a Honda Hornet bike, then turned to the offroad section of the motorcycling world. Having spent a volunteer year in Laos, Asia became his second home. Besides the love for traveling he keeps an interest in all kinds of electronics for travel documentation.
Bangkok, Thailand

The traveler sees what he sees, the tourist sees what he has come to see.

 Gilbert K. Chesterton

Tag cloud


current distance: 8817km

Day 108 - 16000 km - KKH Part Two

by Moritz 21. July 2012 06:54

Wie im letzten Post erwähnt, ging es nun darum, den Attabad Lake zu überqueren. 
Dieser See ist erst knapp 2 Jahre alt und das Ergebnis eines massiven Erdrutsches in 2010.
Der Hunza River, der hierdurch verschüttet wurde hat einen bis zu 100m tiefen See entstehen lassen und mehrere Dörfer komplett unter Wasser getaucht.
Jegliche Versuche diesen natürlichen "Damm" zu beseitigen sind fehlgeschlagen, es wurden lediglich Teilerfolge erzielt, bei denen der Wasserpegel etwas gesenkt werden konnte. Jetzt überlegt man tatsächlich, einen 6km langen Tunnel zu bauen. Verrückt...

Das Teilstück des KKH, das jetzt nicht mehr existiert, war ca. 20km lang, jeglicher Verkehr, der von China nach Pakistan geht (und umgekehrt) wird jetzt über Boote bewerkstelligt. Das logistische Chaos, die Güter großer Trucks auf kleine Boote umzuladen und auf der anderen Seite wieder aufzuladen kann man sich denke ich vorstellen.

Hier also ein Blick auf den Attabad Lake von der südlichen Seite.

Approaching the Attabad Lake (Hunza Lake), 9km North of Karimabad, Northern Pakistan

Zuerst wollte man mein Motorrad diesen winzigen extrem steilen Abhang hinunterschieben. Da es aber eine viel einfachere Alternative gab (die wegen Erdrutschgefahr und laufenden Bauarbeiten gesperrt war),  konnte ich mit ein wenig Überzeugungskunst die Erlaubnis von Armee und Polizei bekommen.

This is the path they wanted to bring the bike down, Attabad Lake, northern Pakistan

Und hier mal wieder ein Video,
dank Zoheb, einem Pakistani mit MacBookPro konnte ich diesmal etwas an dem Video herumschneiden:

Hier nochmal ein Blick auf die Stelle, wo das Bike ursprünglich aufgeladen werden sollte. Kommt auf dem Foto nicht so gut raus, aber das war wirklich haaresträubend.

Leaving the passanger landing dock, Attabad Lake, Northern Pakistan
Here we go
The Passu Cathedral, that's how some call these spectacular mountains, Attabad Lake, Northern Pakistan


Wenn man sich folgendes Foto anschaut, sieht man, dass es manche Leute noch etwas schwerer, oder zumindest abenteuerlicher haben als ich. Ganz speziell aufgrund der Tatsache, dass bereits 10 Autos auf dem Bodes des Sees schlummern.

...even cars are transported over the lake, 10 of them didn't make it... 
perfect roads and the Passu Cathedral on the other side of the lake

2 Nächte habe ich dann im Glacier Breece Restaurant in Passu, auf der anderen Seite des Sees verbracht. Eine sehr entspannte Zeit.

view from Glacier Breece Restaurant, Passu, Northern Pakistan

Und dann war es auch schon so weit, am 17.07 war mein Termin für China und ich machte mich nach fast 2 Monaten in Pakistan auf Richtung China.
Ich könnte jetzt einen langen Abschlussbericht über Pakistan schreiben, aber ich hoffe mit meinen vorigen Posts schon genug Eindrücke geliefert zu haben. Die Menschen in ganz Pakistan waren unmenschlich nett, er war möglich ernsthafte Konversationen zu führen, da Englisch eine offizielle Landessprache ist. Landschaften im Norden sind atemberaubend, der Süden war für mich eine schwierige und aber doch (rückblickend) interessante Zeit. Es war durchweg traurig mitzuerleben, wie eine Regierung ein Land mit so vielen Resourcen und potentiellem Tourismus so herunterwirtschaften kann. Korruption als gängige Praxis mit einem Präsidenten, der zu den reichsten Politikern der Welt zählt...  ...Aber Pakistan war eine einzigartige Erfahrung und ich würde jederzeit wiederkommen.

on my way to the 4700m high Kunjerab Pass, the border between Pakistan and China

Ich behaupte mal, dass die Grenze genau da ist, wo der Asphalt anfängt, ein sehr lustiger Anblick für mich. Interessant war auch das in China ja wieder auf der rechten Fahrbahnseite gefahren wird, es war aber nicht ganz klar ab welchem Zeitpunkt, also musste man für ein paar Kilometer immer genau schauen wo einem jemand entgegenkommt :)
Mein Motorrad hat schon bei 3000m Höhe angefangen an Leistung zu verlieren, bei den 4700m dachte ich, dass ich jeden Moment zu schieben anfangen muss. Da wünscht man sich dann doch etwas modernere Technik, Einspritzung... 

entering China! 4700m altitude at Kunjerab Pass, Pakistan/China

Der Grenzübertritt war mühsam, zuerst musste ich auf 4700m Höhe komplette Bodychecks und die detaillierteste Inspektion bisher über mich ergehen lassen. Das Motorrad/Gepäck wurde wirklich bis aufs kleinste durchsucht, sogar mein geheimes Dollar Versteck wurde gefunden. 4 Soldaten waren knapp 15 Minuten beschäftigt, mich nach jedem Pulver... zu fragen. Wie ich nachher erfahren habe, wurden vor ein paar Wochen erfolgreich 250kg Heroin über diese Grenze geschmuggelt und dann gab es wohl massiven Ärger, daher sind die alle etwas nervös da oben. Insgesamt musste ich ca. 3 Stunden auf dieser Höhe verbringen, die Luft war merkbar dünn, habe schon nach kurzer Zeit Kopfweh bekommen und atmen war beängstigend. Für ältere Menschen gibt es hier sogar Sauerstoffkissen. 
Nach dem Checkpoint, ca. 100km weiter war dann erst die wirkliche Grenze, wo Dokumente für Bike und mich nötig waren und ich auch meinen Guide Adil getroffen habe.

arriving at the immigration for China, Tashuryan

Weil die Customs Abteilung bereits zuhause war musste mein geliebtes Motorrad eine Nacht im Zollgelände verbringen. Am nächsten Tag konnte ich das Bike dann aber relativ problemlos zurückbekommen. Ich musste nur 30 Minuten darauf warten, dass jemand eine Kamera gebracht hat, um Fotos von dem Motorrad zu machen... ...so dachte ich zumindest. Es stellte sich heraus, dass die Kamera nur für ein Gruppenfoto mit mir herhalten sollte :)

Die Strecke nach Kashgar, wo der KKH sein Ende findet, war wieder mal spektakulär. Und dazu auf perfektem Asphalt! Wenn ich schon einen Babysitter für China brauchte, dachte ich mir, kann er auch etwas für mich arbeiten, also ein paar Fotos schießen. Leider hat er das mit dem Winkel nie wirklich hinbekommen, daher sind die meisten Müll, aber ein paar kann ich doch zeigen:

 
just a picture of me while riding
i'm used to such views now, but the perfect tarmac made it even better, road to Kashgar, China 
sand mountains along the way to Kashgar, China
along the KKH to Kashgar, China
along the KKH to Kashgar, China

Leider habe ich von Kashgar keine Fotos gemacht, war so damit beschäftigt, Bier zu trinken, gutes Essen zu suchen und mein 4Sterne Hotel zu genießen. Aber damit man sieht, dass es sich hier um China handelt, ein Photo aus einem Streetstall auf dem Weg nach Kashgar:

street stall near Kashgar, China

 

Und schon war ich in Kyrgyzstan, aber dazu mehr in einem anderen Post.
Zum Abschluss noch ein Foto von meinen ersten Kilometern in diesem schönen Land. 

what a welcome, Kyrgyzstan

36.84, 75.41

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Moritz | To Asia

Beer Donation by Steffen

by Moritz 20. July 2012 05:43

Wie vermutlich niemand mitbekommen hat, habe ich ein neues Feature in unseren Blog eingebaut. Wenn man etwas nach unten scrollt findet man auf der rechte Seite eine Möglichkeit, Rainer oder mir ein Bier zu spendieren. Im Grunde handelt es sich nur um einen Geldtransfer via PayPal, der dort auf einfachem Weg gemacht werden kann. 

Der Clou ist, dass das gespendete Geld für Bier ausgegeben wird, sollte die Spende einen trinkbaren Wert übersteigen, versuchen wir die Location, wo das Bier getrunken wird, etwas exklusiver ausfallen zu lassen.
Es können auch gerne Wünsche geäußert werden, wie z.B. "Trinke ein Bier auf einem Elefanten" 
Als Gegenleistung für jede Spende gibt es ein Foto auf dem das Bier/die Biere konsumiert werden.

Anfang Juli gab es die erste Spende von Steffen über 20Euro.

Zu dieser Zeit habe ich mich noch im islamischen Pakistan aufgehalten, wo es zuerst etwas schwer war, an Bier zu kommen. Als ich dann meinen Geburtstag auf dem Helikopter Landeplatz des Prinzen von Hunza gefeiert habe, dachte ich es wäre der richtige Zeitpunkt, um die 20Euro in Bier umzuwandeln. In Hunza, im nördlichen Pakistan wird das mit dem Islam nicht so ganz genau genommen und es gibt einen Shop, in dem es chinesisches Bier zu kaufen gibt. Etwa 3Euro pro Dose. Mit einigen Bieren und ein paar trinkfreudigen Pakistanis habe ich dann unter sagenhaftem Sternenhimmel gefeiert. 

fantastic sky from the helipad of the prince of hunza, northern Pakistan

Nur leider habe ich bei meinen Versuchen, ein gutes Bild vom Sternenhimmel zu machen, vollkommen übersehen, dass die lange Belichtungszeit meinen Kameraakku leergesaugt hat und als ich dann das Foto für Steffen knipsen wollte, wurde mir der Blitz wegen zu geringer Akkuleistung verweigert. 

Dumm gelaufen, ich musste mir also eine neue Story überlegen.

2 Tage später habe ich mich dann mit Bier im Gepäck zum Basecamp eines der 7tausender aufgemacht. Der Track nach oben war nicht immer der ungefährlichste, aber dafür immer wieder spektakulär. 

it's possible to walk on these waterchannels you see on both sides
climbing up to Ultar Sar (7388m) basecamp, Hunza, Northern Pakistan
reached the basecamp @3152m

 

Oben angekommen, wurde das Bier dann durch eiskaltes Gletscherwasser gekühlt

cooling Steffen's beer with ice cold glacier water

...Hier also deine Bilder Steffen...








 

Beim Abstieg habe ich mich dann etwas verlaufen und bin an diesem grandiosen Pfad herausgekommen, der zum etwa 700 Jahre alten Baltit Fort geführt hat:

track leading to the Baltit Fort
Baltit Fort, Hunza, Northern Pakistan

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Moritz | To Asia

Day 95 - 14900 km - KKH Part One

by Moritz 9. July 2012 10:23

Nun ist es also so weit, ich bin näher an den 30 dran als an den 20. 
Geburtstage sind für mich nichts bedeutsames, aber der eine oder andere Gedanke schwebt mir doch im Kopf herum (trotz chinesischem Bier, das ich gestern verwendet habe, um mit 2 Belgiern reinzufeiern). Ich bin froh diese Reise wirklich angetreten zu haben, immer mehr fühle ich mich wie einer von denen, die ich jahrelang so bewundert habe. Leute, die ich in Laos und auf meinen anderen Reisen getroffen habe, Leute, die oft lange Zeit unterwegs waren, meist mit wenig Geld, aber dennoch große Freiheit genossen haben.

Durch den Umstand, dass mein Papa derzeit in UTC-7 und ich in UTC+5 unterwegs sind, war es möglich, sich gegenseitig über Skype Videochat zum Geburtstag zu gratulieren. Bei ihm war es noch der 08.07. abends (sein Geburtstag), bei mir der 09.07. morgens. Das hat man auch nicht alle Tage. 

Nun aber zu dem interessanteren Teil, ich war die letzten Tage fleißig, habe täglich fast 150km zurückgelegt.
"150km fleißig?" denkt ihr euch jetzt... Ja, die Straßen hier sind etwas anspruchsvoller als bisher.
Der KKH schlängelt sich für einen Teil entlang des mächtigen Indus, durch die Gebirge Pamir, Karakorum, Himalaya und Hindukusch. Fertiggestellt wurde der Highway 1978, ~800 Pakistani und ~80 Chinesen haben dafür ihr Leben gelassen. Seitdem wurde die wunderbar geteerte Straße durch schwere Trucks, Landslides, Regen, Fluten und Erdbeben Jahr für Jahr zu einem immer erbärmlicheren "Track". Die Chinesen arbeiten hart daran, die pakistanische Seite wieder zu einem Highway zu machen, die Natur zerstört aber meist schneller als die Chinesen bauen können. 

Wundert euch nicht, dass auf meinen Fotos immer gute Strasse zu sehen ist, es macht einfach keinen Spaß auf staubigem Schotter anzuhalten. 

Along the Karakorum Highway, Northern Pakistan

 

Nice clean blue glacier water flowing into the mighty Indus river, KKH Pakistan

 

 

 

Pakistani truck rolling on the KKH, Northern Pakistan

 

KKH along the Indus river, Northern Pakistan

Ein ca. 100km langer Abschnitt des KKH gilt als gefährlich, da dort oft Überfälle verübt werden. Also haben mich für ein paar KM (bis ich ihnen davongefahren bin) ein paar alte Freunde begleitet:

friendly Pakistani Escorts, Kohistan, Pakistan


Leider habe ich mit meinem Laptop nicht die Möglichkeit, Videos zu schneiden, daher ist immer alles drauf vom klick auf den "Record" Knopf bis zum Ende.

 

Landslides happen on a daily basis, KKH, Northern Pakistan

 

Nice green valley, KKH, Northern Pakistan

 

Beautiful impressive mountains, KKH, Northern Pakistan

 

Rakaposhi Zero Point, KKH, Northern Pakistan

 

Schoolclass near Hunza Valley, Northern Pakistan

 

Phenomenal view of the Hunza Valley

 

Praying Mantis

 

Hunza Valley, Northern Pakistan

 

View from my room at Eagle Nest Hotel, Hunza, Northern Pakistan

Nach einem Tag in Hunza mit spektakulären Aussichten wollte ich am darauffolgenden Tag mit dem Islamabad VW Club nach Shandur zu einem international bekannten Polo Match fahren. Es findet auf dem höchsten Polo Spielfeld der Welt statt, auf über 3000 Metern. Um mein Bike nicht weiter zu belasten (es muss unbedingt bis Kyrgyzstan halten), hatte ich beschlossen, es zu parken und mit dem Club mitzufahren.
Die Strecke wäre etwa 8 Stunden OneWay gewesen, vermutlich hauptsächlich Offroad. Es lief leider nicht ganz wie geplant. Nach ein paar Stunden Fahrt erreichte uns die Meldung, dass es einen Landslide auf dem Weg nach Shandur gegeben habe. Landslides sind keine Besonderheit hier, nur ist nie sofort klar wie lange es dauern würde, bis die Armee diesen geräumt hat. Wir fuhren noch weiter bis Gilgit, wo wir dann die Info bekamen, dass ein Gletschersee sich auf der Strasse entleert hat, es würde laut Armee eine Woche dauern, bis die Straße wieder passierbar ist. Der einzige alternative Weg zum abgelegenen Shandur Pass wäre ca. 4 Tage Umweg, somit war dieser Plan leider gestorben und ich habe mich mit öffentlichem Transport auf den Rückweg zu meinem Motorrad gemacht. Der VW Club ist weiter Richtung Süden gefahren.
Trotz des Ausfalls von Shandur hatte ich einen super Tag, in einem 52 Jahre alten VW Beetle den KKH zu fahren ist legendär. Und eine Fahrt mit öffentlichen Bussen, zusammengepfercht auf engstem Raum, mit sehr eingeschränkter Sicht auf die faszinierende Landschaft und keiner Möglichkeit anzuhalten haben mir wieder vor Augen geführt, wieso ich Reisen mit eigenem Transport so liebe und eigentlich nichts anderes mehr machen will.

One of the four beetles driving from Hunza to Gilgit, Northern Pakistan

 

from my seat in a 52 years old beetle

Ich werde mich jetzt wieder chinesischem Bier widmen,
im nächsten Post geht es dann vermutlich um die Überquerung des Attobad Lake.
Voraussichtlich ziemlich abenteuerlich. 

35.93, 74.37

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Moritz | To Asia

Day 86 - 14120km - Lazy Days

by Moritz 1. July 2012 06:45

15 Tage sind vergangen seit meinem letzten Post, und der KM Stand hat sich nur um 200 erhöht.
Ich war faul!

Nachdem ich also entschieden hatte, Indien und Nepal auszulassen (Weil ein 2tes Pakistan Visum zu riskant geworden wäre), bin ich auf Visa Mission in Islamabad gestartet.
Es galt China, Kyrgyzstan und Kazachstan zu bekommen, Mongolei hat hier leider keine Botschaft.

Kyrgyzstan war einfach, ein persönliches Meeting mit dem Botschafter, der es sich nicht nehmen liess ein paar Geschichten aus seinem Land zu erzählen und mir dann das Visum in meinen Passport klebte.

Kazachstan dauerte etwas länger, war aber auch unproblematisch, an der Botschaft stellte man mir noch die Frage, wie ich in deren Land zurechtkommen will, dort wird ausschließlich Kazach und Russisch gesprochen.
Keine Ahnung, ich werds sehen :)

China war dann eine etwas längere Geschichte, Arbeitsnachweise, Hotelbuchungen, Routenplanung und und und. Beim ersten Versuch wurde es dann falsch ausgestellt, aber beim 2ten bekam ich mein 7 Tage gültiges Transit Visum. Zu China muss ich auch noch erwähnen, dass das Visa nur ein winziger Teil des bürokratischen Wahnsinns ist, um mit dem Motorrad durch China zu fahren. Insgesamt werde ich nur 3 Tage in China sein, diese 3 Tage kosten mich ca. 1700$. Kein Witz. Wieso mach ich das? Es gibt keine Alternativen Richtung Norden zu kommen. Das Geld war lange in meinem Reisebudget eingeplant, daher ist das okay (trotzdem krank). Abgesehen von dem Mangel an Alternativen habe ich aber auch die Chance, den kompletten KKH zu fahren, was ein einzigartiges, abenteuerliches Erlebnis sein muss.

Irgendwann zu dieser Zeit ist mir auch klar geworden, dass ich den Wechsel meines Hinterreifens nicht mehr aufschieben kann. Die nächsten 500km sind größtenteils ohne Asphalt und mein Profil war zwischen 0 und 5 Millimetern. Ich hatte seit Türkei schon Ausschau nach einem neuen Reifen gehalten, aber es sollte irgendwie immer nicht sein. 

Um die Story kurz zu fassen, es war mir nicht möglich, einen passenden Reifen in Pakistan zu finden, nicht mal in den umliegenden Ländern konnte ich welche lokalisieren. Problem ist, dass es nahezu keine Motorräder über 200cc in diesen Ländern gibt und somit auch keinerlei Ersatzteile.
Also mussten neue Pläne her:

Versuch 1: Besuch der Deutschen Botschaft 
Ich kam an, wurde freundlich begrüßt und mir wurde auch gleich Hilfe angeboten.
Jede Woche bekommt die Botschaft eine Lieferung aus Deutschland, auf der meine Reifen mit Platz finden sollten. Überaus froh und mit 2 eiskalten Bieren verließ ich die Botschaft. Es war Montag, die Reifen mussten bis Freitag früh in Berlin sein und würden dann die Woche drauf am Donnerstag ankommen. Machbar.
Als Deutschland gegen Griechenland gespielt hat, wurde ich von der deutschen Expat Community zum Fußball schauen eingeladen. Ein super Abend mit viel gutem Bier (das lassen sich die Deutschen hier nicht nehmen!) und netten Leuten.
Als mir dann angeboten wurde eine Woche bei dem Gastgeber zu wohnen... 




...könnt Ihr euch die Antwort sicher denken...

Leider wurde mir an diesem Abend auch mitgeteilt, dass die Lieferung der Reifen vermutlich nicht funktionieren würde, da alles über 5kg andere, längere Wege geht. 
Die Woche im Luxus war super, morgens Schokopops, abends Bierchen und sehr interessante Geschichten meines Gastgebers. An einem Sonntag wurde ich zum Brunch mitgenommen, faszinierend was da alles aufgetischt wurde, von Wienern bis hin zu Kassler, alles da. Wo ICH es noch nicht mal geschafft hatte, einen normalen Supermarkt in Islamabad zu finden. Oft wurde ich nach meiner Reise gefragt. Als ich an dem Punkt war, wo ich durch Baluchistan gefahren bin, wurden alle immer etwas "nervös". Klar, ich war mit all denen zusammen, die die Entführungsfälle nicht nur mitbekommen, sondern sich auch noch darum kümmern müssen. Baluchistan ist aus Sicht der Expats extrem gefährlich und sie waren nicht "amused" dass ich dort durchgefahren bin, aber doch froh, dass ich es, ohne ein Fall für die Botschaft zu werden, geschafft habe. Bei der ganzen Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die mir die Deutschen entgegengebracht haben, muss ich meine Liste der freundlichsten Länder wohl nochmal neu ordnen...

Versuch 2: ADAC Deutschland
Jemand gab mir den Tip ich könnte es mal über den ADAC versuchen.
Beim ersten Anruf sagte man mir, es gäbe zwar einen Ersatzteillieferservice, der beschränke sich allerdings auf den europäischen Raum, trotzdem gab man mir mal die Durchwahl zu diesem. Ein sehr freundliches Telefonat später waren Hinterreifen und Schlauch vom ADAC bestellt mit einem voraussichtlichen Lieferdatum nach 3 Tagen angekündigt. WOW! Klappte auch alles ganz gut, bis ich dann zum Cargobereich gefahren bin, um meinen Reifen abzuholen. Fazit: 7 Stunden, ca. 30 Unterschriften später und 120Euro ärmer, bekam ich endlich meine Lieferung aus dem Zoll. Das Geld war für den Agenten, der all die Unterschriften mit mir gesammelt hat (30Euro) und der Rest für ImportTax..., ein temporärer Import wurde mir nicht gestattet, obwohl ich mich zwischendrin bis zur oberen Etage durchbeschwert hatte.


Versuch 3:
Gepäckstück eines Diplomaten
Die Idee war gut, einen Reifen zu jemandem in Deutschland schicken, der die nächsten Tage nach Islamabad fliegen würde. Es leben ca. 200 Deutsche in Islamabad, da waren die Chancen gut. So wurde auch schnell jemand ausfindig gemacht, der an diesem Donnerstag hier ankommen sollte. Die Aktion lief parallel zur ADAC Aktion, weil ich auf Nummer sicher gehen wollte, dass ich zumindest einen Reifen bekomme. Leider wurde der Flug verschoben und so muss ich noch bis morgen warten, bin aber guter Dinge, dass diese Aktion auch funktioniert.

 

Jede Menge Text, was im Detail lief ist noch deutlich mehr, aber uninteressant. Alles in Allem ist mir das eine Lehre gewesen, meine Ersatzteile besser einzuplanen. Für die Reifen/Schlauch Aktionen habe ich etwa 300Euro versenkt, ohne Materialwert der Reifen! 
Dann musste ich noch ein paar weitere Dinge an meinem Motorrad erledigen, neue Zündkerzen verbauen und Luftfilter reinigen.  Natürlich gab es meine Zündkerzen nicht, daher musste ich ähnliche verbauen, hoffentlich geht das gut! 

At a repair shop in Islamabad, Pakistan
Whats wrong on this picture?

Wer findet den Fehler?

Zum Ende noch ein Bild von Islamabad:

Aus To Asia

Morgen früh sollte es also endlich weitergehen, ich bin gespannt, kann es kaum erwarten, aus den unangenehmen 40Grad Durchschnittstemperatur herauszukommen.  

Der nächste Post ist dann wirklich dem legendären KKH gewidmet.

33.72, 73.04

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Rainer

Rainer, born 1948, the father

Being a professional road engineer and traffic and transport planner, Rainer keeps an eye on road details and safety issues. Paradoxically, he loves riding straight road sections more than curved ones, and horsepower of his ride doesn’t mean anything to him, but rather fuel consumption. Presently he happily rides an 11 hp scooter at home. His favourite travel destination remains Southwest USA. Low budget travel, especially for the elderly, is dear to his heart.
Petershausen, Germany

Done with indoor complaints,
libraries and querulous criticisms,
strong and content
I travel the open road.

 Walt Whitman