Moritz

Moritz, born 1986, the son

Left home at the age of 17, on his first ride, a 125 cc scooter. Managed to turn his love for computers in a respected profession (programmer) and is happy to be able to work where his bike is. Tested speed driving on a Honda Hornet bike, then turned to the offroad section of the motorcycling world. Having spent a volunteer year in Laos, Asia became his second home. Besides the love for traveling he keeps an interest in all kinds of electronics for travel documentation.
Bangkok, Thailand

The traveler sees what he sees, the tourist sees what he has come to see.

 Gilbert K. Chesterton

Tag cloud


current distance: 8817km

11 Vernal nach wieder fast nach San Francisco

by Rainer 13. June 2012 03:57

Nun geht es also weiter, wieder Richtung Westen bis zum Pazifik, gewissermassen ein zweiter Versuch, in der Hoffnung, dass sich das Wetter gebessert hat. Der Weg führte über ein Stück Wyoming, dann vorbei an Salt Lake City über die Autobahn wieder nach Nevada, Reno wird gezwungenermassen links liegen gelassen (keine Zeltstellplätze in der Stadt, wir Zelter erscheinen wohl zu arm, um potentielle Spieler zu sein) und dann wieder nach Norden in das sehenswerte Gebiet um den Mount Lassen, dann wieder fast bis San Francisco runter, um ja nichts von der Küstenstrasse zu verpassen, was für eine Fehleinschätzung. Aber erst mal ein paar Impressionen vom Wege.

Da hinten, das ist ein Zug, kann man aber nicht ganz aufs Foto kriegen, weil kilometerlang. Fuhr eine ganze Zeit neben mir her, wir haben das gleiche Tempo, 80 km/h.

Es wurde dann immer waldreicher, und die Strecken eindrucksvoll.

In einem kleinen Ort wurde ein Oldtimertreffen abgehalten, schicke Fahrzeuge, typisches Sonntagsvergnügen der Amis. Hier ein Auszug dessen, was da so alles rumstand.

Das war mal eine interessante Abwechslung, warum die da alle mit ihren Autos sitzen, hat sich mir nicht wirklich erschlossen, Besucher waren praktisch keine da, aber es war ja auch noch am Sonntagvormittag. Dann wieder schöne Strecken. Kurz danach war ich in Wyoming, da gabs viele Pferde, aber sonst nicht viel Interessantes, spasseshalber habe ich mal an einem der vielen Wegmarker angehalten. Es handelt sich dabei um ein jährliches Treffen der Pelzhändler mit denen, die anderes anzubieten hatten, ich verzichte jetzt mal auf eine Übersetzung. Ich habe noch gar nicht soviele Trucks gezeigt, also hier mal einer der Tankstellenkette Maverik, die meine bevorzugte ist, weil innen irre gestylt und günstige Preise und jede Menge Kaffee. Ich kenne inzwischen alle Arten von Tankstellen, meistens tanke ich gar nicht, sondern trinke nur einen Kaffee oder esse ein Burrito. Leider konnte ich von Salt Lake City keine Fotos machen, weil ich im Highwaygeschlängel und Verkehr keine Möglichkeit hatte, die folgenden Fotos sind im Anschluss daran an der Autobahn nach Westen entstanden. Dann in Bonneville angekommen, wo die Geschwindigkeitsweltrekorde für Landfahrzeuge aufgestellt werden, leider war keine Veranstaltung geplant, finden erst im September statt, vermutlich hat da das Salz die richtige Konsistenz, kanns mir ja noch überlegen, ob ich da nochmal hinfahre. Hier sieht man die ganze Verlassenheit und Hitze, über 35 Grad. Und das bin wieder ich, wie immer auch bei grosser Hitze in vollem outfit. Hier etwas näher dran und man sieht, dass das doch eher uneben aussieht, aber so viel Salz!

Jetzt noch zwei Bilder von Wendover, das ist die Grenze nach Utah nach Nevada, und die Casinos stehen bis an die Staatsgrenze von Utah. Und das hier war das mieseste Camp (für 10 Dollar), in dem ich bisher war, aber man ist ja froh, mal etwas weniger auszugeben. Dort musste ich mich mit einem Campingstuhl behelfen, und internet gabs natürlich auch nicht. Weiter gings dann nach Susanville, und es wurde regnerisch und kalt.

Drohende Wolken, und es hat auch tatsächlich nachts geregnet, meinem Zelt hats nicht geschadet, und meine Ente hatte wieder diesen glücklichen Gesichtsausdruck.

In der zweiten Nacht fiel dann das Thermometer auf 0 Grad, und das weiße auf der Packtasche ist nicht etwa Dreck, sondern Rauhreif. Dann wurde es aber wieder besser, und ich konnte die Tour zum Mount Lassen in Angriff nehmen, der ein noch aktiver Vulkan ist. Hier ein paar Impressionen. Von dieser Stelle sah man auch den ungefähr gleichhohen Mount Shasta, ein seltsames Bild, zwei schneebedeckte Berge im ansonsten grünen Land. Falls sich jemand wundert, dass die Bäume so verbrannt sind, es hat hier in den vergangenen Jahren viel und heftig gebrannt, ganze Landstriche erkennt man nicht wieder. Mag auch damit zusammenhängen, dass durch Blitzschlag verursachte Brände ohne Auswirkungen auf menschliche Ansiedlungen weniger bekämpft werden als früher. Und hier noch eins meiner beliebten Highwayfotos, wenn man nur alle machen könnte, die man beim Fahren so als aufregend erlebt, weil merken kann man sich das auch alles nicht. Mitten im Nirgendwo versucht hier jemand, ein Auto zu verkaufen.

Und diese Dame (hab ich bei McDonalds gesehen) kann scheinbar nicht auf den Schoßhund verzichten, Gefängnis oder Aussichtswagen, wohl Ansichtssache. Die Frau war so stark tätowiert und gepierct, dass ich auf eine Kontaktaufnahme verzichtet habe, aber es gibt schon Typen hier.

Über die Hundewelt hier könnte ich einen eigenen post schreiben. Jeder hat einen, und wie in Amerika üblich, gibt es viele Verhaltensregeln. An jeder Tankstelle oder Raststelle gibt es ausgewiesene Hundeentleerungsstellen, machmal abgezäunt, immer mit dem Hinweis, die Hinterlassenschaften zu beseitigen. Hier soll man das Gras verschonen und die Palme (?) benutzen. Verstehs wer will.

Und hier wollte ich auf die Schnelle ein Wandgemälde fotografieren, ist aber nur ein ordentliches Foto vom Kupplungshebel geworden. Und nun noch ein paar Impressionen von der Fahrt ans Meer, mit Eseln.

Dann endlich am Meer angekommen, hieß mich kalter Wind willkommen, es hatte sich noch nicht viel geändert. Da waren nette Läden für einen Becher Kaffee immer willkommen. Und da war es, das Meer, sieht so schön aus, ist aber so kalt und unfreundlich. Und zum Abschluss ein Bild vom Campingplatz, wo mich die Amis mit größeren Familienverbünden eingekesselt haben. Das wars erstmal für heute, über die Küste kommt noch etwas mehr, im Moment bin ich froh, dass es landeinwärts, wohin ich geflüchtet bin, schön warm und trocken ist, werde erst mal ein paar Tage ausspannen. Bis dann

40.740, -114.037

Tags:

Rainer | USA 2012

10 Die grosse Runde, Green River, UT, nach Vernal, UT

by Rainer 6. June 2012 00:11

Nach den Ruhetagen in Green River, UT, sollte es dann auf eine grosse Runde gehen, vorbei an all den schönen Stellen, die ich von meiner ersten Motorradreise hier und der späteren Autofahrt mit Felix schon kannte. Also zurück nach Hanksville, dann weiter nach Süden auf der 95 bis Blanding, dann wieder nordwärts nach Moab, dann am Arches Nationalpark vorbei und durch das Coloradotal in den Bundesstaat Colorado, dann nordwärts auf der 139 und 64 nach Vernal, UT. Von da ist es nicht mehr weit nach Salt Lake City. Die Strecken waren wunderschön, traumhaft. Aber erst mal einen Salat, nachdem ich endlich alle Zutaten zusammen hatte,

Aus Ely nach Vernal

Und so gehts durch den Fry Canyon.

Aus Ely nach Vernal

An diese Stelle wird sich Felix A. vielleicht auch noch erinnern, hier gibts auch Felszeichnungen. Der Colorado wird dann überquert. Dramatische Aussichten von ganz oben, und bei allerbestem klaren Wetter sieht man auch wieder das Monument Valley, in der Ferne. Unglaublich, wie weit man manchmal schauen kann.

So gings die ganze Zeit, man kann das gar nicht ausreichend beschreiben. Hier aber nochmal ein Selbstportrait ohne Selbstauslöser. Der Helm ist nicht immer so sauber. Und dieser Felsen steht da ganz allein in der Landschaft rum. Herrlich. Nicht weit von hier ist mir mal endlich ein besseres Foto von einer Echse geglückt, muss so eine Art Gecko gewesen sein. Schliesslich habe ich "Hole in the Rock" erreicht, gerade recht für eine Pause. Hier ist alles an Skurrilem und Merkwürdigem zusammengetragen, was man sich nur vorstellen kann.

Hab mich sehr wohl hier gefühlt bei meinem Kaffee, und gestaunt, was man sich so alles ausdenken kann im Zusammenhang mit Autos.

Deutschland ist ja sooo weit weg. Und da gings wieder raus auf die Strecke. Jetzt Richtung Moab wurde die Landschaft immer röter. Moab ist inzwischen so eine Art Großstadt geworden, wie South Lake Tahoe kaum noch zu ertragen, also schnell weiter in den Arches Nationalpark. Von dort habe ich nur wenige Aufnahmen.

Das ist das bekannte Courthouse, sprich Gericht, wie man an den Mützchen unschwer erkennen kann.

Und hier eine Impression insgesamt von der Landschaft. Diesen Felsen kennt nun wirklich jeder, den "balancing rock", man staunt wirklich immer wieder, wieso der nicht runterfällt.

Und hier habe ich unfreiwillig den Dornbusch fotografiert, jedenfalls wollte das mein Autofocus so. Der Bogen im Hintergrund ist aber auch ganz berühmt. Dann noch Impressionen vom Weg wieder raus.

Zum Abschluss dieses Teils noch ein Blick aus der Höhe ins Tal, im Hintergrund erkennt man Moab. Den nun folgenden Streckenabschnitt im Tal des Colorado habe ich noch nicht befahren, und ich kann nicht verstehen, warum er in den Karten nicht als sehenswert gekennzeichnet ist. Einen schöneren kann ich mir kaum vorstellen, wie ein kleiner Grand Canyon, nur dass man unten lang fahren kann. Die Steilufer traten dann langsam zurück, und die Strasse wurde zur gottverlassensten Strecke, die ich je gefahren bin. Kein Mensch unterwegs. Schliesslich endet die Strasse in der Nähe der Autobahn, auf der ich dann zu meinem Nachtlager in Grand Junction gefahren bin. Sehr, sehr einsame Kreuzung. Am nächsten Tag gings dann auf schönen Paßstrassen weiter nach Norden. Hier hatte ich dann ein kleines Zusammentreffen mit einem Hörnchen, das ich beim Weiterfahren erst verscheuchen musste, sonst hätte es sich wahrscheinlich vor mein Vorderrad gelegt. Bisher habe ich ja außer Millionen von Insekten noch kein Tier auf der Strasse erlegt, auch wenn manche es wohl als Mutprobe betrachten, noch vor mir über die Strasse zu kommen. Gelegentlich hat mich auch ein Reh vom Waldrand betrachtet. So, das wars dann wieder, das nächste Mal berichte ich von meiner Durchquerung der grossen Salzwüste und weiter nach Westen. Bis dann. PS: Hat wer meinen kleinen Betrug mit Eidechsen bemerkt?

40.457, -109.528

Tags:

Rainer | USA 2012

9 Green River, sterbende Stadt

by Rainer 4. June 2012 23:26

Hallo, da bin ich wieder. Heute ist der erste Regentag, meine Ente freuts und ich habe mich schon am Vormittag auf ein Camp in Susanville, CA, gerettet. Das Zelt ist dicht, ganz gemütlich. Noch gemütlicher ist es aber im Waschsalon, beheizt und Internet und Lademöglichkeit, hier kann ich jetzt mal ein bisschen was abarbeiten. Man hat mir zugetragen, dass Mathilde H., genannt Mathil, alle posts buchstabengetreu liest und auch alle Bilder von mir und Moritz anschaut. Dafür die Auszeichnung des Monats.

Jetzt folgt erstmal ein Bericht von einer typischen, weil sterbenden Stadt, von denen es hier eine Reihe gibt. Der Grund ist häufig derselbe. Weil sich neue Tankstellen und Restaurantketten unmittelbar an den beiden Zu- und Abfahrten von der Autobahn angesiedelt haben, entfällt für den Reisenden die Notwendigkeit, durch den Ort zu fahren und die dortigen Betriebe aufzusuchen. Ein paar halten noch durch, aber gut jedes zweite Grundstück ist verlassen.

Jetzt erstmal ein Bild einer Campingmaschine, die einem Truck nicht unähnlich ist. Nach Abstellen des Aufliegers fährt der Besitzer dann mit dem Vorderteil zum Abendessen. Seltsame Welt.

Jetzt gehts raus aus dem Campingplatz.

Und so sieht die Hauptstrasse aus.

Hier wurden für den Memorial Day kleine Fahrgeschäfte aufgebaut, in dem ganzen Umfeld sah das eher trostlos aus.

Noch sehr verlassen, aber das war auch am Vormittag. Interessant die verwendete Technik. Was da wohl der TÜV dazu sagen würde, bei so viel offen laufenden Teilen? Aber das war der fröhliche Teil. Jetzt gehts zu den verlassenen Betrieben.

Dieses Restaurant hatte mal alles, einschliesslich Drive-In, ohne den hier ja inzwischen kein Minibetrieb mehr auskommt. Deshalb ist es bei McDonalds immer schön leer, weil die Kunden nicht aus ihren Autos aussteigen.

Und das war mal eine Shell Tankstelle.

Und so sieht ein Motel aus, wenn es noch in Betrieb ist, paar Motorradfahrer gibts immer.

Ein Farmer aus der Umgebung hat mir erzählt, dass der Niedergang mit dem Abzug der Raketendivision vor zehn Jahren begann, aber dann durch die Tankstellenketten an den Ausfahrten verschärft wurde.

Solche Raketen wurden von hier nach Alamogordo White Sands geschossen, da bin ich ja auch schon vorbeigekommen.

Dieses Motel hat keine Gäste mehr.

Und hier war wohl mal ein Golfclub, einen Golfplatz gibts hier immer noch, wenn auch etwas vernachlässigt. Man kann sich ausmalen, wie hier die Leute vorgefahren sind, gefeiert haben und dann in die angrenzenden Motelbetten gefallen sind. Der letzte hat sogar seinen schönen Oldtimer hier vergessen, oder versoffen, wer weiss das schon. Wer genau hinschaut, entdeckt noch einen Geist hinter der office Tür.

Das war auch mal eine Tankstelle, schon sehr lange her. Die größte Sorge des Besitzers ist jedenfalls, dass hier jemand unberechtigterweise parkt, oder warum hat er alles mit Verbotsschildern vollgepfropft? Ist doch gar keiner da zum Parken. Das Gegenteil ist hier zu sehen. Bitte hier parken!!! In dem Cafe war ich auch mal, hab mich mit dem Farmer unterhalten. Aufgefallen ist mir dann noch dieses ehemalige Bankgebäude.

Hier gibts schon lange kein Geld mehr, und die Zwischennutzungen sind auch alle verschwunden.

Hier kann man sich auch schon lange nicht mehr verschönern lassen, wenn ich meine Fingernägel so anschaue, hätte ich es nötig. Wenn der Laden noch offen gewesen wäre, hätte ich mir ganz bestimmt die Fingernägel verschönern lassen.

Und hier hätte ich ganz bestimmt ein Bier getrunken, wenn ich in diese doch recht kleine Bar gepasst hätte. Frustriert habe ich dann eine von aussen ganz passabel aussehende Kneipe zum Frühstück aufgesucht, die offensichtlich von locals besucht wird, und habe das zu Essen gekriegt. Hat so geschmeckt, wie es aussieht, und teuer war es auch noch. keine Empfehlung.

Zum Schluss noch aus dem Land der Verbote und Verhaltensempfehlungen ein Schild, das neuerdings in Utah Gültigkeit hat.

Das ganze heisst sinngemäß, dass man nur dann ein alkoholisches Getränk in einem Restaurant erhält, wenn man auch ein Essen dazubestellt. Anderen Orts hat man sich damit beholfen, dass Nachos (Chips) mit Sauce einen Ehrenplatz in der Speisekarte bekommen haben.

Das war jetzt alles eher deprimierend, kann aber einen gewissen morbiden Charme nicht verleugnen. Ich werde weiter die Augen offen halten. Zum Schluss meiner Besichtigung habe ich dann noch ein kleines Cafe gefunden, das mir den Kaffee für 70 Cent gleich 55 Eurocent verkauft hat. Ausserdem konnte man da draussen sitzen und dem Treiben auf der Strasse (gut, ein bisschen spannungsarm) zuschauen.

In meinem nächsten post gehts wieder auf die Strasse, mit Begeisterung. Bis dann.

Tags:

Rainer | USA 2012

8 Carson City to Green River - Strassen, Strassen, Strassen.

by Rainer 25. May 2012 23:55

Nach dem Verkehrsaufkommen um San Francisco hatte ich eine grosse Sehnsucht nach leeren Strassen und wählte deshalb eine Route Richtung Osten über die "einsamste Strasse der Welt" und weiteren "scenic drives", Übernachtungen waren in Ely, NV und Beaver, UT, bevor ich schliesslich in Green River, UT, gelandet bin, wo ich ein paar Tage bleiben will, unter anderem, um einen Ausflug nach Moab mit den beiden Nationalparks Canyonlands (der mit dem Schuh) und Arches (der mit den Naturbrücken) zu machen. Erstmal aber kämpfe ich mit den Elementen, dann nach einer Sturmwarnung pfeift es hier heftig, ich habe noch Glück, dass ich in einer geschützten Ecke mein Zelt aufgeschlagen habe, und das Motorrad muss wie immer Windschutz spielen. Also los auf die einsamste Strasse, die gar nicht so einsam war, pro Stunde bin ich mindestens 2 Autos, 1 Motorradfahrer und einem Fahrradfahrer begegnet.

Ungefähr so gings dann los, und es war einfach nur herrlich, weite Sicht und meistens geradeaus.

Manchmal führte die Strasse durch halbe Salzseen oder Sandwüsten, kein Mensch kann das alles in Fotos abbilden, ein Rausch (jedenfalls für mich).

Unterwegs im nirgendwo dann eine nette Kneipe, in der ich einen Standard Hamburger für 3.99 $ gegessen habe, ausnahmsweise, nur war der Hamburger schon ein bisschen dicker als bei McDonalds, jedenfalls habe ich den Mund nicht weit genug aufgekriegt, um reinzubeissen, also immer nur Teile. Vielleicht liegts ja an dem geschlossenen Mund beim Fahren. Woran erkennt man den freundlichen Motorradfahrer? An den Fliegen zwischen den Zähnen. Natürlich waren auch wieder ein paar Harleys da, ich habe aber meine Maschine tatsächlich schon 3mal gesehen.

Im Innern sah es ein bisschen wüst aus, aber das gehört zur Show, Die von der Decke hängenden Lappen sind übrigens Dollarscheine. Und wieder auf den Highway, den ich jetzt mal kommentarlos vorüberziehen lasse.

Und dann, am Übernachtungsort Ely, den ich gar nicht geplant hatte, habe bloss vorher nix passendes gefunden, hab ich mal versucht, einen Vogel zu fotografieren, aber näher als zu sehen liess er mich nicht herankommen. Diese Vögel gibts hier überall, weiss aber nicht wie er heisst. Sein Zwitschern kann ich aber schon gut erkennen. Was folgte, war wieder ein grossartiger Tag, von Ely, NV nach Beaver, UT. Und das wäre wohl eher was für Moritz. Bin ich froh, dass ich immer gute Teerstraßen unter den Rädern habe. Überhaupt sind die Strassen in eiunem guten Zustand, Kalifornien mal ausgenommen, aber die waren zuletzt ja ziemlich pleite. Da ist gerade ein Porschefahrer an mir vorbeigefahren, erlaubt sind hier 70 Meilen gleich 112 km/h, es gibt auch Strassen mit 75 und neuerdings mit 80 Meilen, ungefähr 130 km/h. Früher war nicht alles schöner, aber die allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung von 55 Meilen, 89 km/h, würde mir besser gefallen, ich fahr nämlich nicht gern schneller. Aber alle anderen, und so bin ich immer schnell der Schlangenkopf, was aber auf den einsamen Strecken nicht weiter stört. Wo keine Autos, da keine Schlange. In Beaver, UT, habe ich dann eher zufällig ein nettes Camp gefunden, und es hat auch nur 12 Dollar gekostet, leider eine Ausnahme in diesen Tagen. Ein State Camp in der Nähe wollte sage und schreibe 18 Dollar, und das mit Plumpsklo und ohne Duschen. Wermutstropfen bei meinem Camp: kein WiFi. Aber selten keins auf privaten Campingplätzen. Ich frage ja immer unter Hinweis auf mein Alter nach Tisch und Bank (gibts wirklich fast überall, ist schon sehr kommod). Dieser Mann fragte mich wie alt ich bin und sagte dann, dass er 84 ist. Seither lass ich den Spruch. Der Mann hat dann noch den Rasen auf meinem Platz gemäht, angenehmer Untergrund.

Eigentlich fürchte ich mich auf dieser Reise immer nur vor zwei Sachen: Eine Panne am bike oder ein Loch im Luftbett. Zu meinem Glück, sollte ich sagen, war es nur das Luftbett, was mich am Abend im Stich liess. Zu spät, noch irgendwo hinzufahren und eins zu kaufen. Ich stand also vor der Wahl, jede Stunde Luft nachzupumpen oder auf dem harten Boden zu schlafen und habe mich dann aus Faulheit für letzteres entschieden. Hätte der bloß den Rasen nicht gemäht, aber zu meiner Überraschung habe ich dennoch einigermaßen geschlafen. Am nächsten Tag hatte ich deshalb 100 km extra nach Cedar City zu fahren, wo ich in einem Walmart zwei (ja, richtig gehört, zwei) Luftbetten erstand. ich bin jetzt wahrscheinlich der einzige Reisende weltweit, der ein Ersatzluftbett spazieren fährt (endlich ein Alleinstellungsmerkmal!). Die Lebensdauer dieser Betten ist 4 bis 6 Wochen, aber sie sind ja auch sehr billig. Noch zu anderen Reisenden: Praktisch kaum einer fährt so wie ich, aber Fahrradfahrer gibt es eine ganze Menge, hat ja schon Moritz berichtet. Vielleicht machen sich ja mal alle Chinesen auf eine Weltreise. Den Wegweiser habe ich nicht gebraucht, aber war mal ganz interessant. Die nächste Etappe führte dann am Bryce Canyon vorbei über die Grand Staircase Escalante, mit Übernachtung in Escalante. Landschaftlich ganz ungeheuer, und irgendwann wurde es dann rot.

Aber dann auch wieder zurück auf die großen weiträumigen Landschaften, da steh ich drauf. Konnte mich hier nicht entscheiden, welches Bild ich nehmen sollte, also beide. Manchmal gings auch aufregend in Kurven rauf und runter, und ich habe als lausiger Kurvenfahrer meinen neuesten Trick angewandt, wenn die Kurve scheinbar zu eng wird und man sich nicht mehr weiter runterwinkeln traut (obwohl es immer noch geht). Also Knie raus und schon ist die Kurve dein Freund. Unter den ganzen Lebenshilfen, die einem heute so angeboten werden, würd ich vielleicht am ehesten einen Kurvenfahrkurs machen. Jetzt weiss ich auch, warum ich so bin, wie ich bin, ich habe Alexithymie!!!! Heisst Gefühlsblindheit und wurde im Zusammenhang mit Thilo Sarrazin genannt. Frag mich ja schon seit Jahrzehnten, warum mir Zahlen und Fakten mehr bedeuten als Angela Merkel. Aber das nur am Rande.

Noch ein paar Impressionen, unter anderem von einem Strassenstück, wo es links und rechts sehr weit runter geht, und auch die Asiaten haben ihre Freude. Felix A. wird sich vielleicht noch erinnern, jedenfalls fährt man an einer solchen Stelle sehr, sehr, diszipliniert.

Dann wieder auf normalen Strassen bis zu einer netten urigen Tankstelle. Hier sass ein bärtiger Mann, leider kein Foto, und wir kamen ins Gespräch. Ich fragte ihn, ob er in dem Airstreamer wohnt und vielleicht Jack Palance heisst. da gibt es doch diesen Film "Out of Rosenheim", da gabs so eine Situation. Er kannte den Film nicht und verstand dementsprechend meine Frage nicht, aber es stellte sich heraus, dass er nur für einen Tag von Salt Lake City hierher in die Berge gefahren war. Witzigerweise ist er Ingenieur für Lichtsignalanlagen, also quasi Kollege. Ich habe mich dann noch mit einem Paar aus Aichach unterhalten, die sich über das Dachauer Nummernschild wunderten, aber nach 3 Minuten waren wir in der deutschen Politik und bei der Rente, konnten dann aber herzlich drüber lachen, als ob es dort nix interessanteres gäbe.

Dann gings über einen fast 3.000 m hohen Pass, und die Temperatur fiel bis auf 5 Grad, habe aber meine fingerlosen Handschuhe nicht gewechselt, aus Trotz, dachte mir, solange es noch weh tut, sind sie nicht erfroren. Beim Runterfahren läßt dann auch immer der Schmerz so schön nach. Apropos Fingerkuppen. Die haben ja schon so einiges mitgemacht, Fingerabdrücke könnte ich keine mehr abgeben, dafür fühlen sie sich jetzt an wie die Hakenseite eines Klettverschlusses, kann fast damit Kleidungsstücke aufheben. Man rät mir es mit Creme zu versuchen, aber warum denn? Jetzt noch was Rotes aus der Gegend des Capitol Reef Nationalparks. Und zum Schluss noch ein paar Impressionen überall, weiss gar nicht mehr wo das im einzelnen war.

Und Ganz zum Schluss noch ein Selbstauslöserfoto, wo man sieht, dass man schon richtig autofokussieren muss. Aber immerhin sieht man, dass die Strassenbeläge meistens eher rauh sind.

Jetzt geh ich noch in die etwas heruntergekommene Main Street von Green River, UT, und mach mal eine Serie über den Verfall der Städtchen entlang der Autobahnen. Das Thema hatten wir schon mal, in Alamogordo, NM, aber ich möchte das noch ein wenig vertiefen. Morgen dann, wenns der Wind zuläßt, die Runde um Moab, dann Bike waschen und am Montag weiter Richtung Salt Lake City. Bis dann.

39.006, -110.156

Tags:

Rainer | USA 2012

Rainer

Rainer, born 1948, the father

Being a professional road engineer and traffic and transport planner, Rainer keeps an eye on road details and safety issues. Paradoxically, he loves riding straight road sections more than curved ones, and horsepower of his ride doesn’t mean anything to him, but rather fuel consumption. Presently he happily rides an 11 hp scooter at home. His favourite travel destination remains Southwest USA. Low budget travel, especially for the elderly, is dear to his heart.
Petershausen, Germany

Done with indoor complaints,
libraries and querulous criticisms,
strong and content
I travel the open road.

 Walt Whitman